Schulweg: Vorfahrt für die Sicherheit

 

Schulkinder Streit mit der besten Freundin, Angst vor dem Diktat in der ersten Stunde oder Vorfreude auf das Fußballspiel in der Pause - Kinder haben alles Mögliche im Kopf, wenn sie sich morgens auf den Weg zur Schule machen. Und was schon Erwachsenen nicht immer leicht fällt, ist für träumende ABC-Schützen besonders schwer: die Konzentration auf den Straßenverkehr. Deshalb rät die Techniker Krankenkasse (TK), mit den Schulanfängern frühzeitig den sichersten - nicht den kürzesten - Schulweg einzuüben.

Erstklässler müssen ihren Schulweg gut kennen lernen, bevor der Ernst des Lebens beginnt. Die Sicherheit sollte bei der Wahl der richtigen Strecke an erster Stelle stehen. "Wichtig ist, dass Kinder auf dem Schulweg möglichst wenig Straßen und Ausfahrten überqueren müssen", sagt Inga Margraf, Expertin für Prävention bei der TK. Gerade das richtige Verhalten an Ampeln und Zebrastreifen müssen Kinder trainieren. "Zum Beispiel sollten sie lernen, auch bei grüner Fußgängerampel immer nach links und rechts zu schauen, um sich zu vergewissern, dass die Autos wirklich anhalten", so Margraf.

 

Nicht zu unterschätzen: Da Kinder Verhalten größtenteils durch Nachahmung lernen, ist die Vorbildfunktion der Eltern auf der Straße besonders wichtig. Und wenn Mama oder Papa hin und wieder mal bei Rot über die Ampel huschen, wird sich das Kind womöglich daran erinnern, wenn es selbst in Eile ist. Grundschulkinder können jedoch Geschwindigkeiten und Entfernungen noch nicht so sicher abschätzen wie Erwachsene. Ihnen fällt es schwer, Situationen richtig einzuschätzen und entsprechend zu handeln. Müssen Kinder eine Straße ohne Ampel
überqueren, sollten sie deshalb auf jeden Fall lieber länger abwarten, als schnell durch eine Lücke hindurch zu laufen.

An den ersten Schultagen gehen die kleinen ABC-Schützen am sichersten mit Mama oder Papa zu Schule. Aber meist fordern die Kinder schnell mehr Selbstständigkeit. Alleine sollten sie sich jedoch erst auf den Weg machen, wenn sie Strecke und Verkehrsverhältnisse genau kennen. Kleiner Trick für Eltern, die sich nicht ganz sicher sind: Sie können ihr Kind einmal vor ihnen aus dem Haus gehen lassen und ihm mit etwas Abstand folgen. So können sie überprüfen, wie sicher ihr Kind auf seinem Schulweg ist. "Machen Sie Ihrem Sprössling aber auch keine Angst vor dem Straßenverkehr", rät die Diplom-Psychologin Inga Margraf. "Angst macht unsicher. Und wer die Regeln kennt und beachtet, der kommt auch sicher an."

Wichtig ist, dass Kinder morgens rechtzeitig aus dem Haus gehen. Denn rückt das Klingeln der Schulglocke näher, wächst die Gefahr, dass sie doch schnell bei Rot über die Straße laufen oder eine gefährliche Abkürzung nehmen. Also wecken Eltern ihre Kleinen besser etwas früher, damit nach einem gemütlichen Frühstück noch genug Zeit für den Schulweg bleibt.

Besonders verlockend ist es für Kinder, mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren. Schließlich ist man viel schneller da, wenn man ordentlich in die Pedale tritt. Und außerdem macht das Radeln viel Spaß. Aber Vorsicht: Nach übereinstimmender Ansicht vieler Verkehrsfachleute sollten Schulanfänger - auch wenn sie noch so sehr darum bitten - nicht mit dem Rad in die Schule fahren. "Das Radfahren im Straßenverkehr überfordert besonders jüngere Kinder, da sie so vieles gleichzeitig machen müssen: treten, lenken, Balance halten und dabei immer den Straßenverkehr im Auge behalten und die Verkehrsregeln beachten", sagt Inga Margraf.

Wohnen Kinder zu weit von ihrer Schule entfernt, um zu Fuß zu gehen, sollten sie rechtzeitig üben, den Weg mit Bus und Bahn zurückzulegen. Kritisch ist hier besonders das Ein- und Aussteigen. Bringen Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, sollten sie den Kindersitz so montieren, dass sie nicht zur Straße, sondern zum Fußweg hin aussteigen und möglichst keine Straße mehr überqueren müssen.

Egal ob das Kind zu Fuß, mit dem Bus oder im Auto in die Schule geht, wichtig ist auffällige, bunte Kleidung. Und gerade wenn es im Herbst morgens wieder länger dunkel bleibt, sind Reflektoren wichtig. Denn allein schon weil sie so klein sind, werden Schulanfänger im Straßenverkehr leicht übersehen. Quelle Techniker Krankenkasse

 Nicht mit dem Cityroller zur Schule!
Kickboards und Cityroller sind wegen ihrer Schnelligkeit und Schnittigkeit bei Kindern beliebt. Schon Erstklässler fahren mit den kleinen, silbernen Tretrollern zur Schule. Immer wieder verunglücken jedoch Kinder bei Stürzen mit Kickboards  und Cityrollern. Die Unfallkasse Berlin warnt deshalb davor, Grundschüler mit diesen Fahrgeräten zur Schule fahren zu lassen. 

Salto über den Lenker
„Der Nachteil bei Kickboards und Cityrollern sind die kleinen, schmalen Räder“, warnt Wolfgang Atzler, Geschäftsführer der Unfallkasse. „Das Vorderrad passt in schmale Vertiefungen auf dem Gehweg, zum Beispiel zwischen zwei Gehwegplatten. Es wird festgehalten und bremst den Roller abrupt aus.“ Die Trägheitskräfte bewirken, dass das Hinterrad vom Boden abhebt. Entweder dreht sich der Roller dann um die Achse des Vorderrades und das Kind stürzt über den Lenker nach vorn. Oder der Roller dreht sich seitlich um den Lenker und das Kind fällt zur Seite auf den Boden. Auch in der Schule sind die Roller eine Gefahr, wenn sie als „Stolperfallen“ vor dem Klassenraum herumliegen.

Kopf, Schultern und Becken bei Stürzen gefährdet
Da Kinder mit dem Kickboard fast so schnell sind wie ihre Altersgenossen auf dem Fahrrad, können sie bei einem Sturz schwere Verletzungen davontragen. Kopf, Schulter, Unterarme, Hände und Beckenbereich werden bei Stürzen besonders in Mitleidenschaft gezogen. Eine Schutzausrüstung wie beim Inline-Skaten (Helm, Protektoren für Ellbogen, Knie und Handgelenke) schützt nicht vollständig vor den Sturzfolgen, da Schultern und Becken nicht gesichert sind.

Toter Winkel - Kinder sind besonders gefährdet

Alltag an der Ampel: Auf der Fahrbahn ein nach rechts abbiegender LKW. Auf dem Fuß- oder Radweg ein Passant, der geradeaus über die Straße will. Beide bekommen gleichzeitig „grün“. Der LKW biegt vorsichtig ab, lässt Fußgänger oder Radfahrer passieren und fährt weiter. Doch nicht immer geht es so glatt: Steht der Fußgänger oder Radfahrer im „toten Winkel“ des LKW, kann ihn dessen Fahrer nicht sehen und biegt im Glauben an eine freie Fahrbahn nach rechts ab. Alles geht gut, wenn der Brummi-Fahrer noch rechtzeitig bremsen kann. Gelingt ihm das nicht, sind schwere oder gar tödliche Verletzungen oft die Folge für den Passanten. 

Kinder, die sich im „toten Winkel“ aufhalten, laufen wegen ihrer geringen Größe besondere Gefahr, vom rechten Hinterrad des LKWs überrollt zu werden. Beate Eggert, Geschäftsführerin der Unfallkasse Rheinland-Pfalz, appelliert deshalb an Eltern, ihre Kinder bei der Verkehrserziehung auch auf den toten Winkel hinweisen.

Tipps für Eltern:
 

  • Kinder, die an einer Kreuzung geradeaus gehen wollen, sollten sich vergewissern, ob ein LKW neben ihnen steht, der rechts abbiegen will.
  • Ist das der Fall, sollte das Kind Blickkontakt mit dem Fahrer aufnehmen, um sicher zu gehen, dass er es auch gesehen hat.
  • Das Kind sollte immer einen genügend großen seitlichen Abstand zu vorbeifahrenden LKWs haben.

    Eggert rät Eltern zudem, ihre Kinder nicht zu früh allein mit dem Fahrrad fahren zu lassen: „Warten Sie die Radfahrprüfung im vierten Schuljahr ab“, sagt die Sicherheitsexpertin und ergänzt, dass „Kinder sogar erst mit 14 Jahren als sichere Radfahrer gelten.“


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