Tipps zum Tag der Kindersicherheit

Lucia Jäger_Barmer_Seeheim_Jugenheim
Damit Kinder so sicher wie möglich aufwachsen, ist es wichtig, lauernde Gefahren rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern. Sollte dennoch etwas passieren kann das richtige Handeln lebensrettend sein. Hallo-Bergstrasse sprach anlässlich des Kindersicherheitstages mit Lucia Jäger, Bezirksgeschäftsführerin der BARMER Ersatzkasse in Seeheim.

Frau Jäger, welchen Ratschlag geben Sie Eltern für den Fall, dass sich ihr Kind verletzt? 

Auch, wenn es schwer fällt: Ruhe bewahren ist das Wichtigste! Ein Unfall bedeutet immer Stress für die ganze Familie. Die Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen, aber gleichzeitig auch oft die einzigen handlungsfähigen Personen in dieser Situation. Eltern helfen ihrem Kind am besten, wenn sie es zunächst mit Worten und durch Streicheln beruhigen und es nicht allein lassen. Hilfe kann dann gegebenenfalls auch durch eine zweite Person geholt werden. 

Ist ein Unfall passiert, sollten sich Eltern zunächst einen Überblick über die Gefahrensituation verschaffen und die Gefahrenstelle absichern, also beispielsweise die Herdplatte ausschalten. Für den Fall der Fälle ist die wichtigste Nummer immer noch die Notrufnummer 112

Bei einem Notruf sollte man die „fünf W`s“ parat haben: 

  • Wo ist der Unfall passiert ?
  • Was ist passiert ?
  • Wie viele sind betroffen (auch das Alter des Kindes angeben!) ? 
  • Welche Verletzungen sind zu sehen ?
  • Warten - denn möglicherweise gibt es noch Rückfragen, die zu beantworten sind.

Der Rettungswagen benötigt in den meisten Fällen bis zu zehn Minuten, bis er eintrifft. Mit Erster Hilfe sollte aber sofort begonnen werden, daher ist es wichtig, die Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen.


Leider hört man  im Sommer immer wieder von folgeschweren Badeunfällen. Kinder die noch nicht schwimmen können sind besonders gefährdet. Lauern  die Gefahren nicht bereits im eigenen Haus? 

Richtig! Schnell können Schwimmbecken, Regentonnen im Garten, aber auch Badewannen zu gefährlichen Fallen für kleine Kinder werden. Kinder ertrinken auch, wenn das Wasser nicht sehr tief ist. Manchmal kann auch eine große Pfütze schon ausreichend sein. Außerdem wehren Kinder sich in der Regel nicht und rufen auch nicht nach Hilfe, weil sie die Orientierung verlieren, sobald ihr Kopf unter Wasser ist.. Kommt es zu einem Unfall, müssen Eltern wissen, was zu tun ist. Erste Maßnahmen beim Herz-Kreislaufstillstand durch Ertrinken sind eine Mund-zu-Nase-Beatmung und eine Herzdruckmassage.  

Bei einer Unterkühlung die nasse Kleidung ausziehen und das Kind warm einpacken.  Auch eine Rettungsfolie, wie sie im Verbandskasten ist, kann ausreichend wärmen – die silberne Seite zum Körper drehen.

Kleinkinder stecken gerne  Dinge in den Mund. Manchmal auch  unachtsam weggeworfene Zigarettenstummel. Wie gefährlich sind Zigarettenstummel, wenn sie verschluckt werden ? 

Die Giftkonzentration in Zigarettenstummeln ist besonders hoch, ein Verschlucken kann für die Kleinen lebensgefährlich sein. Es ist wichtig, das Kind zu beruhigen und festzustellen, wie viele Zigaretten verschluckt wurden. 

Außerdem sollten Reste aus dem Mund entfernt werden. Wenn das Kind erbricht ist es wichtig, die Atemwege freizuhalten und das Kind nicht auf den Rücken zu legen, besser auf die Seite. Je nach Beschwerden des Kindes sollte entweder die Giftnotrufzentrale oder – bei Vergiftungserscheinungen wie Schwindel, Benommenheit und Schläfrigkeit – die 112 angerufen werden. 

Bis der Notarzt da ist, vergehen ein paar Minuten. In der Zwischenzeit sollte das Kind keine Milch trinken. „Milch ist kein ‚Gegengift’“, „Im Gegenteil: Bei vielen Substanzen fördert Milch die Aufnahme von Gift in den Körper und die Vergiftungserscheinungen werden verstärkt. Außerdem sollten Eltern kein Erbrechen beim Kind erzwingen: Das Kind könnte dabei sauren Mageninhalt verschlucken und das kann eine massive Lungenentzündung auslösen.
 
Kinder klettern gerne. Dabei kommt es immer wieder vor, dass sie stürzen.  Wie sollen Eltern sich nach einem Sturz verhalten?

Die meisten Stürze gehen zum Glück glimpflich aus. Für Eltern ist es vor allem beim Sturz auf den Kopf schwierig zu unterscheiden, ob es sich nur um eine kleinere Beule oder schon um eine ernsthafte Verletzung handelt.  

Eine Gehirnerschütterung kann folgende Symptome zeigen: Das Kind ist sehr kurz bewusstlos und kann sich nicht mehr direkt an den Sturz erinnern. Im weiteren Verlauf ist es ungewöhnlich müde und schläfrig. Wenn sich noch Übelkeit bis zum Erbrechen einstellt, sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. 

Kleinere Kinder können noch keine Abwehrbewegungen mit den Armen vornehmen. Bei einem Sturz fallen sie daher besonders häufig direkt auf das Gesicht. Eltern sollten prüfen, ob das Kind nach einem Sturz den Mund vollständig weit öffnen kann oder ob Zähne ausgefallen oder beschädigt sind.
 
Einen herausgeschlagenen Zahn transportiert man am besten in feuchter Umgebung zum Zahnarzt. Gut eignet sich hierfür ein Glas Milch, besser als Wasser. 

„PECH-Schema“ beachten: 

  • Pause: Der verletzte Körperteil wird ruhig gestellt. 
  • Eis: Wenn keine offene Wunde besteht, sollte mit Kühlpackungen oder einem in kaltem Wasser getränkten Tuch gekühlt werden. 
  • Compression: Anlegen eines elastischen Druckverbands 
  • Hochlagerung

Stromschläge sind sehr gefährlich und leider sind Steckdosen nicht überall durch  Kindersicherungen geschützt. Welche Maßnahmen müssen sofort ergriffen werden, wenn es tatsächlich zum Ernstfall kommt? 

Als erstes den Stromkreis unterbrechen und die Sicherungen ausschalten. Dann muss unbedingt ein Arzt aufgesucht oder der Notarzt gerufen werden. Nach einem Stromschlag kann es auch noch einige Zeit später zu Herzrhythmus-Störungen kommen, die von einem Arzt beobachtet werden müssen. Hinter kleinen äußerlichen Blessuren können sich auch schwere innere Verletzungen verbergen. Als erste Hilfe sollten Eltern zu Hause schon mal die Brandwunde abdecken, die beim Eindringen des Stromes in den Körper entsteht.  Außerdem sollte das Kind nichts mehr essen oder trinken, bis es beim Arzt war. 

Und trotz Stress: Impfbuch nicht vergessen! Der Tetanusschutz muss überprüft werden

Was soll man tun, wenn sich ein Kind verbrennt?

Die verbrannte Körperstelle sofort unter fließendes Wasser von etwa 20 Grad Celsius halten und nicht länger als zehn bis 15 Minuten kühlen.   Nicht mit Eis oder Eiswasser kühlen. Anschließend versucht der Körper, die gekühlte Stelle durch verstärkte Durchblutung wieder aufzuwärmen. Das verstärkt eher die Schmerzen. Und auch, wenn es gut gemeint ist: Mehl oder Puder hilft bei Verbrennungen nicht, sondern verklebt die Wunde und muss schmerzhaft wieder entfernt werden. Bei größeren Verletzungen sollte ein Arzt aufgesucht werden.

 


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