Wieviel Fernsehen vertragen Kinder? Tipps von Experten
Eltern sollten ihre Kinder mit dem Fernsehgerät nicht allein lassen, warnt die Stiftung Kindergesundheit. Das ist wörtlich gemeint:
Kinder und Jugendliche, die über ein eigenes Fernsehgerät in ihrem Zimmer verfügen, schauen häufiger und länger fern, lesen weniger und schlechter, versagen häufiger bei mathematischen Aufgaben und in Verständnis-Tests. Unkontrolliertes und übermäßiges Fernsehen schadet der Gesundheit, beeinträchtigt die mentale Entwicklung und vermindert die Chancen auf einen schulischen Erfolg. Je früher und je länger Kinder vor dem Bildschirm sitzen, umso höher steigt das Risiko für Störungen ihrer gesunden Entwicklung.
Die Arbeitsgruppe von Professor Dr.Koletzko stellte fest: Von 4.563 befragten Kindern schauten 57% der Fünf- bis sechsjährigen täglich bis zu 2 Stunden fern, 18 % - also fast jedes fünfte Kind - länger als 2 Stunden. Medienexperten empfehlen für Kinder im Vorschulalter eine tägliche Fernsehdauer von höchstens 30 Minuten. Kinder unter 2 Jahren sollten gar nicht fernsehen. "Für Kinder und Jugendliche ist der Bildschirm kein harmloser Guckkasten", bekräftigt Kinder-und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Es häufen sich die Beweise für den unheilvollen Anteil des Fernsehens an Bewegungsmangel und Übergewicht.
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Regeln für Fernsehen und Video
- Zeiten eindeutig festlegen und auch kontrollieren.
- Kein Fernsehgerät oder Bildschirmmedium im Kinderzimmer!
- Das eigenen Fernsehverhalten kritisch überprüfen. Das Fernsehgerät sollte nicht Mittelpunkt der Wohnung sein.
- Mit Vorschulkindern möglichst gemeinsam fernsehen und sich über das Gesehene auseinander setzen.
- Kein Fernsehen morgens vor Kindergarten, Schule oder Frühstück.
- Gemeinsame Mahlzeiten pflegen und am Tisch miteinander reden. Kein Fernsehem beim Essen! Kein Essen beim Fernsehen!
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Vor dem Fernseher wuchern die Pfunde
Entscheidend für die Entstehung von Übergewicht ist das Missverhältnis zwischen Kalorienaufnahme und Kalorienverbrauch. Ein wesentlicher Risikofaktor ist aber auch die bei Kindern zunehmende sitzende Lebensweise mit geringer körperlicher Aktivität und entsprechend niedrigem Energieverbrauch, schwachen Muskeln und geringer Fettverbrennung.
Fernsehen verführt zum falschen Essen
Das Fernsehen vermittelt ein alarmierend schlechtes Bild der Ernährung, beklagt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. In der Werbung bei Talkshows und in Trickfilmen werden häufig (bei ca.30%) Süßes und Snacks gezeigt. Dagegen ist bei Spielfilmen und Serien Alkohol stets präsent.
Im Fernsehen ist Gewalt ganz normal
Gewalt kommt heute in 78,7% aller Sendungen vor, besonders häufig am Nachmittag. Es dürfte dabei aber nicht übersehen werden, so Professor Spitzer, dass das meist genutzte "Kinderprogramm" das Erwachsenenprogramm ist. Fast jeder zweite Schüler hat seinen ersten Horror- oder Gewaltfilm vor dem zehnten Lebensjahr gesehen". Amerikanische und Kanadische Studien belegen den Zusammenhang von Gewaltbereitschaft und Fernsehen.
Auch eine Untersuchung der Gewaltdarstellungen im deutschen Fernsehen von Petra Grimm, Katja Kriste und Jutta Weiß (2005) führt zu beunruhigenden Erkenntnissen. Von 1.162 untersuchten Stunden entfallen 30,2 Stunden (2,6%) ausschließlich auf Gewaltdarstellungen. In über der Hälfte aller Sendungen (58,2%) war mindestens eine Gewaltdarstellung anzutreffen. Schwere Verletzungen oder Tod werden vor allem im Reality-TV und Publizistikformaten (Nachrichte, Magazine, Reportagen) dargestellt.
Fernsehen blockiert das Denken
Fernsehen hat auf die bildhafte Wahrnehmungsfähigkeit von Kindern einen äußerst negativen Einfluß. "Die Kinder können sich kein Bild machen von der Wirklichkeit". Zu diesem Resultat kommt der Kinder-und Jugendarzt Dr. med. Peter Winterstein vom Jugendärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes Göppingen im Rahmen seiner Einschulungsuntersuchungen. Mit Hilfe eines "Mensch Zeichentests" wurde festgestellt, das in Abhängigkeit vom Fernsehkonsum der Kinder, die Figuren mehr oder weniger detailliert gezeichnet wurden. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass die schnelle Bildfolge beim Fernsehen eine betrachtende Wahrnehmung und dadurch auch einen inneren Bildaufbau verhindert. Wissenschaftliche Studien in Neuseeland belegen, dass Vielseher, die mehr als 3 Stunden täglich vorm Bildschirm verbringen, am häufigsten keinen Schulabschluß haben; Wenigseher wiesen am häufigsten einen Universitätsabschluss auf. Fernsehen macht zappelig Unruhe, Impulsivität, leichte Ablenkbarkeit und Unvergesslichkeit sind oft Symphome einer Störung, die als Aufmerksamkeitsdefinzitstörung ADS oder bei gleichzeitiger Hyperaktivität als ADHS vielen Eltern große Sorgen bereitet. Möglicherweise steckt hinter der Zunahme dieser "Zappelphilippe" das zu frühe Fernsehen.
Fernsehen blockiert den Blick aufs Leben
Für viele Kinder und Jugendliche ist das Fernsehen zr wichtigsten Freizeitbeschäftigung geworden, so Professor Dr. med. Dipl.-Psych. Michael Myrtek. Fernsehen ist immer verfügbar und der Zuschauer erhält beim Einschalten sofort eine Belohnung in Form von Entspannung und Zerstreuung. So wird Fernsehen leicht zur Gewohnheit und kann sogar süchtig machen. Durch übermässiges Fernsehen wird die Zeit für andere Tätigkeiten knapp. Vielseher bewegen sich weniger, führen seltener Gespräche und spielen seltener ein Musikinstrument.
Fazit der Stiftung Kindergesundheit
Bildschirmmedien machen dick und krank, wirken sich in der Schule ungünstig auf die Aufmerksamkeit und das Leistungsniveau der Kinder aus und führen zu vermehrter Gewaltbereitschaft und Gewalt. Dennoch kann man den Kindern das Fernsehen kaum ganz verbieten. Die Kinder würden dies nicht verstehen und sich gegenüber Gleichaltrigen benachteiligt fühlen. Eltern sollten aber den Fernsehkonsum ihrer Kinder rigoros kontrollieren, möglichst reduzieren und das Programm sinnvoll aussuchen. Dabei ist eine Stunde Fernsehen pro Tag für die 10-11jährigen Schüler bereits genug.
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