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Weinheim - Gestern und Heute

Weinheim, die große Kreisstadt und Mittelzentrum an der Badischen Bergstraße, liegt im Rhein-Neckar-Dreieck am Rande des Verdichtungsraumes Mannheim / Heidelberg.

Im Osten und Westen sind die Stadtgrenzen zugleich die Landesgrenzen zu Hessen. Die Gesamtfläche der Gemarkung beträgt 5859 ha.


Weinheim wurde 755 erstmals im Lorscher Kodex erwähnt. Doch Einzelfunde aus der Jungsteinzeit, die Existenz römischer Gutshöfe auf Weinheimer Gemarkung, ein fränkischer Friedhof weisen auf eine ältere Besiedlung hin.


Im Jahr 1000 verlieh Kaiser Otto III. dem Kloster Lorsch das Marktrecht in Weinheim, 1065 bestätigte
König Heinrich IV. das Marktrecht und verlieh auch das Münzrecht. Aus der Lorscher Zeit stammt die
Burg Windeck, die zum Schutz der Stadt errichtet wurde. Nach der Auflösung des Klosters Lorsch 1232 entstanden Streitigkeiten zwischen dem Erzbistum Mainz und dem Pfalzgrafen bei Rhein um die Nachfolge, besonders um den Besitz von Weinheim und Burg Windeck.


Um 1250 legte der Pfalzgraf eine neue Stadt südlich des Dorfes Weinheim an, die 1264 erstmals erwähnt wurde. Die Stadt Weinheim wurde durch den Hemsbacher Schiedsspruch zusammen mit der Burg Windeck pfälzisch, während das Dorf um die Peterskirche beim Erzbistum Mainz verblieb. 1308 wurde auch das Dorf oder die Altstadt in einem Vergleich der Pfalz zugesprochen, doch erst rund 150 Jahre später die beiden Weinheim zu einer Stadt zusammengefaßt.

1803 wurde Weinheim durch die Auflösung der Kurpfalz bedingt zu einer badischen Amtsstadt und wandelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jh. von einer landwirtschaftlich geprägten Kleinstadt in eine Stadt mit vielfältiger Industrie.

In den Jahren 1971 bis 1973 wurden die umliegenden Ortschaften Hohensachsen, Lützelsachsen, Oberflockenbach, Ofling, Rippenweier, Ritschweier, Sulzbach und Waid eingemeindet. Damit stieg die Bevölkerungszahl auf über 40.000 Einwohner, so dass Weinheim die größte Stadt im Rhein-Neckar-Kreis ist.

Die Neustadt hat bis heute - besonders im Gerberbachviertel - ihren mittelalterlichen Charakter bewahrt und wurde so inzwischen zur Altstadt. Die Gerberei war einer der wichtigsten Handwerkszweige der Stadt. Zahlreiche Fachwerkhäuser und Adelssitze sind Zeugen der Wohlhabenheit der Stadt vor allem im 16. Jh.

Der nördliche Flügel des Schlosses wurde im 16. Jahrhundert anstelle eines früheren Adelshofes der Swende von Weinheim durch Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz erbaut. Er diente immer wieder für kurzzeitige Aufenthalte, wie bei Jagden, als Ausflugsziel oder als Ort für politische Verhandlungen. Ottheinrich quartierte sich 1547 für einige Jahre im Schloss in Weinheim ein, nachdem er sein Herzogtum Neuburg an der Donau verloren hatte und bevor er die Nachfolge als Kurfürst antreten konnte. Von 1698 bis 1700 diente das Weinheimer Schloss nach den Zerstörungen Heidelbergs zeitweise als kurpfälzische Residenz des Kurfürsten Johann Wilhelm.

Den südlichen Flügel des Schlosses ließ die Familie Ulner von Dieburg 1725 erbauen. Beide Schlossteile gelangten in der Mitte des 19. Jahrhunderts in den Besitz der Freiherrn von Berckheim, die 1868 unter anderem den Schlossturm erbauen ließen. Seit 1938 sind Schloss und Schlosspark im Besitz der Stadt Weinheim.


Die zweite Burg über Weinheim, die Wachenburg wurde durch die im Weinheimer Seniorenkonvent zusammengeschlossenen studentischen Korporationen zwischen 1907 und 1928 erbaut.


Das Museum der Stadt Weinheim befindet sich im ehemaligen, 1710 erbauten Deutschordenshaus und zeigt neben Funden aus der Vor- und Frühgeschichte v.a. Exponate zur Stadtgeschichte.
Neben der Altstadt, dem Museum der Stadt Weinheim, dem Schloss und den beiden Burgen sind besonders die Grünanlagen in der Stadt sehenswert. Neben dem Schlosspark mit seinen historischen Baumbeständen und der größten Zeder Deutschlands wurde durch Freiherr Christian von Berckheim im 19. Jahrhundert der Exotenwald angelegt, der heute im Besitz des Landes Baden-Württemberg ist und über eine Fläche von rund 60 ha verfügt. Hier stehen fremdländische Bäume, teilweise über 100 Jahre alt, in geschlossenen Waldbeständen.


Der Schau- und Sichtungsgarten „Hermannshof“, eine Forschungseinrichtung, ist der Untersuchung von Stauden gewidmet. Ungefähr 2000 Staudenarten und -sorten sind in sieben Lebensbereichen zusammengefasst.

Seit 1958 besteht die Städtefreundschaft zwischen Weinheim und Cavaillon.
1990 wurde die Städtepartnerschaft mit Lutherstadt Eisleben begründet, 1991 folgte die Partnerschaft mit der italienischen Stadt Imola. Daneben bestehen auch freundschaftliche Kontakte zu der Stadt Ramat Gan in Israel, die 1999 in eine offizielle Partnerschaft mündeten.
Auch zwischen den Stadtteilen Lützelsachsen und Hohensachsen und den französischen Gemeinden Varces Allières et Risset bzw. Anet bestehen langjährige Partnerschaften.

Geschichte im Überblick

5000-2000 v. Chr. 
Einzelfunde der Jungsteinzeit

800 v. Chr. 
Bronzefund von Nächstenbach

100-260
römische Gutshöfe auf Weinheimer Gemarkung

755 
Ersterwähnung von Weinheim im Lorscher Kodex

1000 
Verleihung des Marktrechts in Weinheim für das Kloster Lorsch durch Otto III.

1065 
Bestätigung des Marktrechts und Verleihung des Münzrechts in Weinheim für das Kloster Lorsch durch König Heinrich IV.

um 1100 
Bau der Burg Windeck durch das Kloster Lorsch

1232
Auflösung des Klosters Lorsch, Streitigkeiten zwischen dem Erzbistum Mainz und dem Pfalzgrafen bei Rhein um Besitz von Weinheim

um 1250 
Anlage einer neuen Stadt durch den Pfalzgrafen

1264 
Ersterwähnung der Neustadt Weinheim; die Burg Windeck und die Neustadt werden durch den Hemsbacher Schiedsspruch Eigentum der Pfalz, die Altstadt bleibt beim Erzbistum Mainz

1308 
Durch Vergleich zwischen Mainz und Pfalz wird die Altstadt Weinheim dem Pfalzgrafen zugesprochen

1454 
Altstadt und Neustadt werden verwaltungsmäßig zu einer Stadt zusammengefasst.

1537 
Entstehung des Renaissanceteils des Schlosses

1557 
Bau des Kaufhauses am Markt, später Rathaus

1698-1700 
Weinheim ist zeitweilige Residenz des Kurpfälzischen Hofes, der Regierung und der Universität;
Druck des Kurpfälzer Landrechts in Weinheim

1710 
Bau des Deutschordenshauses

1725 
Bau des Südflügel des Schlosses durch die Adelsfamilie Ulner von Dieburg

1731 
Bau der reformierten Stadtkirche

1794 
Kurfürstin Elisabeth Auguste verbringt die letzten Monate ihres Lebens im Wei nheimer Schloss

1803 
Auflösung der Kurpfalz im Reichsdeputationshauptschluß, Weinheim wird badisch

1829 
Gründung des Bender’schen Erziehungsinstitutes

1832 
„Fest der Freien Presse“ in Weinheim

1846 
Anschluss Weinheims an die Main-Neckar-Bahn

1848/49 
Revolution

1849 
Gründung der Lederfirma Carl Freudenberg

ab 1860 
Anlage des Exotenwaldes durch Christian von Berckheim

1868 
Bau des Nordflügels des Schlosses und des Schloßturms

1901 
Einweihung des Realgymnasiums

1903 
1. offizieller Sommertagszug

1906 
Einweihung der Synagoge

1907 
Grundsteinlegung zur Wachenburg

1911/12 
Bau der evangelischen Peterskirche und der katholischen Laurentiuskirche anstelle älterer Vorgängerbauten

1917 
Einweihung der Friedrichschule

1934 
1. Wachenbergrennen

1935 
Auflösung des Amtes Weinheim, Eingliederung in Landkreis  Mannheim

1938 
Übergang von Schloss und Schlosspark in das Eigentum der Stadt Weinheim, die im Schloss das Rathaus einrichtet

ab 1950 
Entstehung der Weststadt

1956 
Erhebung zur Großen Kreisstadt

1958 
Partnerschaft mit Cavaillon/ Frankreich

1971-73 
Eingemeindung von Hohensachsen, Lützelsachsen, Oberflockenbach, Ofling, Rippenweier, Ritschweier, Sulzbach, Waid;  Ansteigen der Bevölkerungszahl auf über 40.000 Einwohner

1973 
Einweihung der Modellschule des Landes Baden-Württemberg
(Integrierte Gesamtschule für 2400 Schüler): „Multschule“

1978 
Erwerb der Ruine Windeck durch die Stadt Weinheim

1983 
Eröffnung des Schau- und Sichtungsgartens „Hermannshof“

1990 
Städtepartnerschaft mit Lutherstadt Eisleben

1991 
Städtepartnerschaft mit Imola/ Italien freundschaftliche Kontakte mit Ramat Gan (Israel)
Eröffnung des neuen Kreiskrankenhauses

1997 
Grundsteinlegung für Moschee

1999 
Städtepartnerschaft mit Ramat Gan (Israel) Einweihung des Saukopftunnels

  

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