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Regeln, Rituale und Routinen geben Sicherheit und Halt
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Regeln, Rituale und Routinen geben Sicherheit und Halt
Eine Untersuchung der Universität Bielefeld zur Gesundheit der Kinder in der Familie belegt:
Kinder, deren Alltag strukturiert ist und die mit Regeln, Ritualen und Routinen aufwachsen, leben gesünder. Aus den Beobachtungen haben die Wissenschaftler praktische Empfehlungen für den Alltag abgeleitet.
Professor Ulrike Ravens-Sieberer vom WHO Kooperationszentrum für Kinder- und Jugendgesundheit der Universität Bielefeld und ihr Team beschreiben auf der Grundlage des groß angelegten Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts, welche Faktoren ein gesundes Leben in der Familie fördern und welche es eher bremsen. Beobachtet wurde der Alltag von 30 Familien in Deutschland mit jeweils unterschiedlichem sozialen und ökonomischen Status.
Die Wissenschaftler haben aus ihrer Studie Empfehlungen entwickelt, die in der Ratgeber-Broschüre "Familienalltag leicht gemacht" zusammengefasst sind. Die Broschüre ist in den AOK-Geschäftsstellen erhältlich.
Respektvoller Umgang
Besonders wichtig für das gesunde Aufwachsen der Kinder ist ein strukturierter Tagesablauf mit Regeln, Ritualen und Routinen. Dadurch bekommen die Kinder Sicherheit und Beständigkeit; die Familie hat Gelegenheit, Zeit miteinander zu verbringen und sich auszutauschen.
Auch der Erziehungsstil beeinflusst die Gesundheit der Kinder: Ein liebevoller, respektvoller Umgang miteinander ist ebenso wichtig wie die transparente Gestaltung von Regeln, bei deren Gestaltung die Kinder einbezogen werden sollten.
Aus ihren Beobachtungen leiten die Wissenschaftler folgende Empfehlungen ab:
- Regel 1: gemeinsame Mahlzeiten zelebrieren
Mindestens einmal am Tag sollten alle Familienmitglieder zusammen essen. Wichtig ist eine angenehme Atmosphäre. Bei Tisch sollten Gespräche stattfinden, die nicht durch einen laufenden Fernseher im Hintergrund oder andere Aktivitäten gestört werden sollten. Für die Mahlzeiten gibt es Regeln, die alle kennen und an die sich alle halten müssen.
- Regel 2: Strukturierte Tagesabläufe, Routinen und Rituale
Tägliche Rituale beim Zubettgehen oder beim Essen sind eine gute Gelegenheit, Kindern ungeteilte Aufmerksamkeit und Zuwendung zu geben. Kinder brauchen Aufmerksamkeit, Gespräche und gemeinsame Tätigkeiten. Auch körperliche Nähe ist wichtig für ihre emotionale Befindlichkeit. Entscheidend ist dabei nicht die Zeit, die das in Anspruch nimmt, sondern vielmehr die Regelmäßigkeit und die Intensität.
- Regel 3: Soziale Kontakte aufbauen und pflegen
Erwachsene sollten Kontakte zu anderen aufbauen und pflegen. Der Umgang mit Nachbarn, Freunden und Verwandten unterstützt die Eltern und damit auch die Kinder. Denn besonders wichtig für die seelische Gesundheit der Kinder ist die Einbindung in ihr soziales Umfeld. Wer viele seiner Nachbarn kennt und ihnen hilft, kann auf andere bauen, wenn er selbst Unterstützung braucht. Eltern sollten ihre Kinder an ihren sozialen Kontakten beteiligen und sie dazu ermutigen, selbstständig soziale Kontakte zu pflegen.
- Regel 4: Miteinander Zeit verbringen – jedem Kind täglich ungeteilte Aufmerksamkeit schenken
Es muss nicht lange sein, dafür aber regelmäßig und intensiv: Jedes Kind in einer Familie braucht täglich etwas Zeit von seinen Eltern. Gemeinsame Gespräche, Spiele und gemeinsame Tätigkeiten sind für Kinder unbedingt notwendig. Dabei sollten Kinder die Aufmerksamkeit ihrer Eltern nicht teilen müssen. Konflikte zwischen den Kindern oder mit den Eltern sollten immer schnell geklärt werden. Die Versöhnung sollte ausdrücklich festgestellt werden, zum Beispiel durch ein Ritual.
- Regel 5: Gemeinsam körperlich aktiv werden
Sport und Bewegung helfen Kindern, fit, gesund und selbstbewusst zu werden. Eltern, die sich zusammen mit ihren Kindern bewegen, fördern deren Motivation und Möglichkeiten. Ein Wettkampfsport ist für manche Kinder ein guter Start in die eigenständige Bewegungsfreude. Konkurrenz und Leistung sollten jedoch nicht zu sehr betont werden; sie können der sozialen Anpassung der Kinder in der Gruppe der gleichaltrigen Kinder schaden. Eltern sind eindeutig die Vorbilder im Bewegungsverhalten: Wenn sie aktiv sind, sind es meistens auch die Kinder. Eltern sollten ihre Kinder unterstützen und ermutigen, sich zu bewegen; übertriebene Ängstlichkeit schadet.
- Regel 6: Regeln aushandeln und miteinander reden
Klare Regeln, die Kinder verstehen und die sie kennen, geben Kindern Verhaltensmaßstäbe. Die vereinbarten Regeln sollten konsequent eingehalten werden. Für erwünschtes Verhalten sollten Eltern ihre Kinder immer loben, ohne im selben Atemzug zu kritisieren oder einzuschränken. Auch vermeintlich Selbstverständliches sollte gelobt werden, um die Kinder zu motivieren.
- Regel 7: Kinder zu Verantwortung und Selbstständigkeit erziehen
Im Alltag machen Kinder nach und nach ihre eigenen Erfahrungen, wenn es um die Planung der Aufgaben oder des Tagesablaufs geht. Je älter sie werden, desto mehr Verantwortung sollten sie für ihre eigenen Angelegenheiten übernehmen und dabei eigene Entscheidungen treffen können. Eltern sollten nur eingreifen, wenn etwas schief geht oder ihr Kind Hilfe braucht. Ab einem bestimmten Alter können Kinder auch alleine bleiben. Voraussetzung ist allerdings, dass die Kinder in der Lage sind, selbstständig Hilfe zu holen. Im Haushalt sollten Kinder altersgerechte Tätigkeiten erledigen.
- Regel 8: Eltern sind Vorbild – Kinder vor Sucht und Drogen schützen
Wenn Eltern Nichtraucher sind, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder anfangen zu rauchen. Die Wohnung sollte in jedem Fall zur rauchfreien Zone erklärt werden. Die offene Auseinandersetzung mit dem Thema Sucht und Alkoholmissbrauch führt bei Kindern zu einer kritischen Distanz zum Alkoholkonsum. Das Gespräch mit den Kindern über die Vor- und Nachteile von Alkohol und Zigaretten schützt die Kinder. Eltern sollten ihr eigenes Verhalten kritisch hinterfragen. Den gesunden Umgang mit Medien wie Fernsehen und Computer können Kinder durch Begrenzung von Fernsehzeit und die gezielte Auswahl der Sendungen lernen; auch Video- und Computerzeiten und -spiele sollten die Eltern kontrollieren und regeln.
- Regel 9: Gesunde Kinder brauchen gesunde Eltern
Eine positive Lebenseinstellung, ein gutes Selbstwertgefühl und eine ausgeglichene Lebensführung sind die beste Voraussetzung für Gesundheit. Hier sind die Eltern Vorbild für ihre Kinder: Wer selbst auf seine Gesundheit achtet, seinen Alltag mit Hilfe anderer gut organisiert und sich Auszeiten gönnt, ist ein gutes Modell für den eigenen Nachwuchs.
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Artikel vom Dienstag, 29. Mai 2007
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