Schulpausen eignen sich für Spiel und Spaß
Nach 45 Minuten Mathe brummt der Kopf. Langes Stillsitzen, konzentriertes Arbeiten und abgestandene Luft im Klassenzimmer lassen die ermüdeten Schüler das Klingeln zur großen Pause auf dem Schulhof herbeisehnen. "Die Schulpausen sollten die Kinder nutzen können, um ihren Akku wieder aufzuladen", sagt Priv.-Doz. Dr. Michael Tiemann von der AOK Westfalen-Lippe. Statt mit dem Gameboy sollten die Schüler dabei besser mit einem Ball spielen, rät Tiemann, denn: "Bewegung, zum Beispiel Seilspringen, Basketballspielen oder Fangen, bringt den Kreislauf in Schwung. Das steigert das Wohlbefinden und nebenbei auch die Lern- und Konzentrationsfähigkeit auf spielerische Weise." Weil dadurch die Gesundheit und Entwicklung der Kinder gefördert wird, macht sich die AOK für mehr Bewegung in der Schule stark. "Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang – diesen sollten Eltern und Lehrer fördern und auf keinen Fall unterdrücken", sagt AOK-Experte Tiemann. Bereits in der Kindheit werden Bewegungsgewohnheiten geprägt. Dadurch wird der Grundstein gelegt, welchen Stellenwert körperlich-sportliche Aktivitäten im weiteren Leben der Kinder haben werden. Entsprechend sollten sich Schulkinder nicht nur im Sportunterricht bewegen. Auch die große Pause sollten sie möglichst mit viel Bewegung an der frischen Luft verbringen. Kinder früh für Sport begeistern Durch regelmäßige Bewegung kann Gesundheitsrisiken wie Übergewicht, Haltungsschwächen und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes vorgebeugt werden. Deshalb ist es wichtig, dass sich Kinder täglich mindestens insgesamt 60 bis 90 Minuten moderat bewegen, sind sich Experten einig. "Aber nicht einmal ein Drittel der Jungen und Mädchen erreicht dieses Mindestmaß. Darum will die AOK die Kinder schon früh für Bewegung und Sport begeistern", sagt Tiemann. Denn sportliche Betätigung ist nicht nur gut für die Fitness und die Gesundheit, sondern fördert zudem die Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit der Schüler. Darum sollten Eltern und Lehrer darauf achten, dass der Schulhof ausreichende und zugleich spannende Möglichkeiten für die Kinder zur Bewegung bereithält. Neben Fußballtoren, Basketball-Körben und Tischtennis-Platten können auch Balken zum Balancieren oder Klettergerüste zur Bewegung animieren. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Spielen und Bewegungsmöglichkeiten, die sich gut für die große Pause eignen. Viel Spaß macht zum Beispiel das sogenannte Rope-Skipping, eine moderne Form des Seilspringens mit speziellen Kunststoffseilen, das sogar als Wettkampf betrieben wird. In verschiedenen Varianten dieser Sportart müssen entweder in 30 Sekunden so viele Sprünge wie möglich gemacht oder in einer Choreografie möglichst viele und schwierige Tricks vorgeführt werden. Der Fantasie der Schüler sind dabei keine Grenzen gesetzt. Eine Variante ist auch der sogenannte Double Dutch, der Doppelschlag. Dabei schwingen zwei sich gegenüberstehende Schüler zwei lange Springseile. In der Mitte können dann ein oder mehrere Mitschüler verschiedene Figuren im Takt des Seilschwingens springen. Bewegungspausen einbauen Für die klassischen Hüpfspiele wie "Himmel und Hölle" oder "Schnecke" kann man Kinder heutzutage nur noch schwer begeistern. Anders sieht es aus, wenn aus "Himmel und Hölle" das "Handy-Hüpfen" wird. Bei der neuen Variante des Hüpfkästchen-Klassikers werden mit bunter Kreide Zahlen- und Buchstabenfelder einer Handytastatur auf den Schulhof gezeichnet. Die Spieler müssen dann vorgegebene Wörter richtig schreiben beziehungsweise hüpfen. Nebenbei können sie so auch die Rechtschreibung trainieren. Bei der Pausengestaltung können sich Lehrer und Schüler auch einiges aus der Zirkuswelt abschauen. So können Jonglierbälle oder -tücher zur Verfügung gestellt werden, die für viele Kinder einen hohen Aufforderungscharakter haben. Aber auch während des Unterrichts können die Lehrerinnen und Lehrer zwischendurch immer mal wieder kurze Bewegungspausen "einstreuen" und gemeinsam mit den Kindern gestalten. Des Weiteren kann auch die Vermittlung vieler Unterrichtsinhalte mit entsprechenden Bewegungsaufgaben verknüpft werden. So kann im Fach Deutsch das Umstellen von Satzteilen durch Schüler mit verschiedenen Bewegungen dargestellt werden, im Mathe-Unterricht lässt sich das Zweiersystem über eine Bewegungsübung mit Aufstehen und Hinsetzen einführen.