Linkshänder unterstützen, nicht umschulen

Hauptsächlich die linke Hand zu benutzen ist kein Manko oder gar als Krankheit zu werten, sondern angeboren.

Heutzutage ist hierzulande etwa jeder dritte Schüler Linkshänder. Wissenschaftler vermuten sogar, dass bis zu 50 Prozent der Menschen von Natur aus linkshändig sind. Die „Linken“ werden daher mittlerweile in Kindergärten und Schulen toleriert, eine Umschulung ist nicht mehr notwendig.

Hauptsächlich die linke Hand zu benutzen ist kein Manko oder gar als Krankheit zu werten, sondern angeboren. Die Händigkeit ist eine Erbanlage wie Augenfarbe oder Geschlecht, bestimmt wird sie durch die unterschiedliche Seitendominanz im Gehirn.

Die beiden Hälften des Gehirns (Hemisphären), durch einen Balken voller Nervenstränge verbunden, steuern über Kreuz den Körper. Die Nervenbahnen überkreuzen sich im Bereich der oberen Halswirbelsäule. Die Folge: Jede Hirnhälfte steht jeweils mit der gegenüber liegenden Körperseite in Verbindung. Die dominante Gehirnhälfte ist verantwortlich für die Händigkeit: Bei Rechtshändern ist die linke Seite des Gehirns dominant, bei Linkshändern die rechte.

Wird ein Linkshänder trotzdem gezwungen, die rechte Hand zu benutzen – was früher gang und gäbe war – ist die stärkere Hirnhälfte in ihren Funktionen gehemmt. Und die schwächere Seite wird dauernd überfordert. Linkshänder umzuschulen ist also ein massiver Eingriff in die Hirntätigkeit. Die Folgen sind gravierend und können das ganze Leben negativ beeinflussen: Sie reichen von feinmotorischen Störungen, Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen bis hin zu negativen Veränderungen der Persönlichkeit.

Schreibenlernen: Die rechte Hand darf nicht stören
Ob ihr Kind Links- oder Rechtshänder ist, können aufmerksame Eltern in der Regel schon im Krabbelalter feststellen. Mit welcher Hand das Kind spontan greift, gibt den entscheidenden Hinweis. Mit fünf oder sechs Jahren können viele Kinder schon ihren Namen schreiben und zeigen viel Interesse schreiben zu lernen. Bevor sie sich eine falsche Schreibhaltung angewöhnen, ist es daher schon in diesem Alter sinnvoll, ihnen vorsichtig und möglichst in spielerischer Form die richtige Haltung zu zeigen, denn häufig führen Linkshänder ihre Hand falsch oder verkrampft. Sie können das eben Geschriebene nicht sehen und verwischen beim Schreiben mit Tinte oft die Buchstaben. Außerdem neigen viele Linkshänder anfangs zu Buchstabenumkehrung oder sogar zu totaler Spiegelschrift, da sie instinktiv von rechts nach links wahrnehmen und schreiben.

So geht es richtig:

  • Das Papier sollte etwas links von der Mitte vor dem Kind liegen und im Uhrzeigersinn leicht nach rechts gedreht sein (ca. 30 Grad).
  • Der Stift wird locker mit leichtem Zangengriff zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten, wobei er am Mittelfinger nur anliegen sollte und die Hand unterhalb der Zeile liegt.
  • Die Hand liegt nicht abgeknickt oberhalb, sondern unter der Zeile, die gerade beschrieben wird. Das Stiftende weist zum linken Unterarm.
  • Die rechte Hand darf nicht „im Weg“ sein. Sie soll das Blatt in Schreibhöhe am rechten Rand festhalten und bei Bedarf nach oben oder unten ausweichen.
  • Auf der linken Seite benötigt das Kind Armfreiheit, dort sollte daher kein Rechtshänder sitzen. Das Licht soll von vorn oder von rechts einfallen. Was Linkshändern außerdem das (Schul-)Leben erleichtern kann, sind spezielle, seitenverkehrt konstruierte Gegenstände, zum Beispiel Schere, Lineal, Bleistiftspitzer und Füller. (pgk)

Hilfreiche Adressen:
Erste Deutsche Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder
Sendlinger Str. 17
80331 München
Tel. / Fax: 0 89 / 26 86 14
Internet: www.lefthander-consulting.org
E-Mail: info@lefthander-consulting.org



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