Knodener Kunst
Die Knodener Kunst wird am 1. November lebendig
„Hütet Euch vor Knoden“- diese Inschrift soll auf dem Triumpfbogen zu Paris zu finden sein und die französischen Soldaten seit den Napoleonischen Kriegen vor diesem harmlosen Odenwälder Bergdörfchen warnen.
In Knoden wurde von alters her die Kunst des Brauchens gepflegt. Darunter versteht man die gutmütige Variante des Hexens oder Zauberns. Während sich Zauberei und Hexerei stets zum Nachteil des Betroffenen auswirkt, so ist das Brauchen im Gegenteil nützlich und hilfreich. Krankheiten bei Mensch und Vieh wurden so behandelt, auch Reichtum, Glück und gute Freunde konnten durch das Brauchen erlangt werden. Daß es dabei nicht mit rechten Dingen zuging, tut nichts zur Sache. Denn die früheren Bewohner Knodens waren gottesfürchtige Menschen so wie im ganzen Odenwald. Ob dies noch heute so ist, tut auch nichts zur Sache. Vielmehr geht es heutzutage darum, die alte Kunst zu bewahren, denn auch das Brauchen gehört zu den vielen inzwischen ausgestorbenen Handwerksberufen im Odenwald. Obwohl das Brauchen oft in eine Schublade mit Magie, mit Zaubern oder Hexen gesteckt wird, ist es doch eine eigene Angelegenheit. Im Gegensatz zu den schwarzen Künsten des Verzauberns oder Verhexens, die aus dem altbekannten Kontrakt mit dem Teufel ihre Kraft beziehen, ist das Brauchen eine Kunst zum Guten.
Das Brauchen gehört zur sogenannten Knodener Kunst, über die man bei einer spannenden Nachtwanderung um den 1.November mehr erfahren kann. Heute lebt wohl keiner der alten Zeugen mehr, die die Knodener Kunst am eigenen Leib erfahren haben, deshalb soll die Tour der Lebendighaltung dieser alten Volkskunst dienen. Wenn auch von uns keiner in der Lage ist zu brauchen, so können wir doch durch diese Erzählung etwas gegen das Vergessen tun. Das ist auch der Grund, warum man bei dieser Tour wenig Halloween-Klamauk erleben wird. Denn wie Peter Assion vom Breuberg-Bund einmal sagte: Brauchtum ist für die kulturelle Gemeinschaft verpflichtend, Folklore nicht, so mag Halloween vielleicht in Amerika als Brauchtum gelten, in unserer jahrhundertealten Kultur dagegen gab - und gibt - es ältere Traditionen, die in den letzten Jahren immer stärker überdeckt werden. Am 1. November begann einst in vorgeschichtlichen Zeiten das keltische Jahr. Der Tag hieß Samhain, und an ihm waren die Eingänge zu den Feenreichen besonders durchlässig. Auch für verwandschaftliche Kontakte zu bereits verstorbenen Ahnen eignete sich dieser Tag. Später legten die Christen ihr Allerheiligenfest darauf. Die Kelten zogen in Lichterprozessionen um einen heiligen Hain, ein Überbleibsel dieses Lichterzuges ist noch in den Grablichtern zu Allerheiligen zu sehen. Übrigens ist der Zusammenhang mit Halloween nicht ganz von der Hand zu weisen, denn auch das verkitschte Halloween, wie es aus Amerika zu uns herüberschwappt, hat seine Wurzeln in Europa, wenn auch nicht in Kontinentaleuropa. Der Name kommt von All hallow even, also Allerheiligen-Vorabend. Das Samhainfest hieß auf allen britschen Inseln Halloween, und erst als die Iren den Brauch nach Amerika einschleppten, und als man dort begann alles zu kommerzialisieren, verkam der Brauch zu etwas Seelenlosem. Dracula und Frankenstein haben mit dem ursprünglichen Halloween nichts zu tun.
Die Knodener-Kunst-Tour beginnt mit einer Zeitreise:
Wir befinden uns in einem 50-Seelendorf im Jahre 1785. Es ist kurz vor dem Allerheiligentag, und am Himmel hängen schwer die Wolken. Es dunkelt, in den winzigen Fenstern der Bauernhäuser flammen Lichter auf. Kerzen, Talglichter, Fackeln. Durch das Dorf ziehen die älteren Kinder, eigentlich schon Jugendliche, mit Dickwurzlaternen. Eine Dickwurz hat Charakter, während so ein Kürbis einfach nur rund und fett ist. Bei einer ausgehöhlten Dickwurz kommt es darauf an, bereits vorhandene Gesichtszüge zu unterstreichen, ihre Kontur aus der verwachsenen Knolle deutlich herauszuarbeiten. Dann ein Licht hinein, und fertig ist das Gruselgespenst anno 1785. Die kleineren Kinder und auch manch Erwachsener fürchteten sich damals auch noch wirklich. Auf einer Wanderung gibt es Unheimliches und Zauberhaftes zu erleben. Allerlei seltsame Gestalten geistern durch den dunklen Wald, verzauberte Soldatenheere, Kräuterhexen und armselige Bauern, die sich in die Wälder geflüchtet haben. Wer weiß, ob da nicht auch irgendwo ein Schatz zu heben ist...
Für Leseratten: Buch „Hütet Euch vor Knoden!“
Wer lieber zuhause im kuscheligen Lesesessel sitzt, dem sei das Büchlein „Hütet Euch vor Knoden!“ von Thomas Maul empfohlen, das im Verlag der Felsenmeerkobolde erschienen ist. Geschichten von früher, über die Knodener Kunst, und über das, was den „Brauchern“ so widerfuhr, werden darin unterhaltsam neu erzählt. Das Buch ist für 12,95 Euro erhältlich: Bestellung per e-mail an mh@kieselbart.de.
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Knodener Kunst 2009
Die Knodener Kunst Tour wurde vom 31.10. auf den 7. November verschoben, der Anmeldeschluß für diese Tour mit sehr begrenzten Teilnehmerplätzen ist schon am 23.10.,