Delft entdecken: Grachten, Vermeer und historische Altstadt
Grachten, Giebelhäuser und kleine Plätze prägen die Altstadt von Delft. Für unseren Rotterdam-Besuch wählten wir die Stadt als ruhigeren Übernachtungsort – nur ein paar Kilometer von der modernen Hafenstadt entfernt
Wer uns kennt, weiß: Wir sind absolute Holland-Fans! Für unseren Trip nach Rotterdam war das benachbarte Delft für uns der ideale Ausgangspunkt. Nur wenige Kilometer trennen diese zwei Welten, die gegensätzlicher kaum sein könnten: Während Rotterdam uns mit futuristischer Architektur beeindruckte, fühlten wir uns in Delft, als wäre die Zeit ein wenig stehen geblieben.
Unsere Unterkunft in Delft - gemütlich und ein guter Ausgangspunkt für unsere Ausflüge
Delft zu Fuß entdecken - unser erster Abend am Beestenmarkt
Die Stadt hat eine angenehm überschaubare Größe. Im historischen Stadtkern ist alles nur ein Katzensprung voneinander entfernt. Man braucht kein Fahrrad und erst recht kein Auto – die schönsten Ecken erkundet man am besten ganz entspannt zu Fuß. Unser erster Weg führte uns am Abend unserer Ankunft zum Beestenmarkt. Der Platz diente früher als Viehmarkt. Heute befinden sich hier zahlreiche Cafés, Bars und Restaurants. Bei einem Getränk und etwas zu essen verbrachten wir hier unseren ersten Abend und genossen die entspannte Atmosphäre unter den alten Bäumen.
Entspannte Atmosphäre auf dem Beestenmarkt
Am nächsten Morgen machten wir uns dann zu Fuß auf den Weg, um Delft zu erkunden. Vom Beestenmarkt sind es nur wenige Minuten bis zum Markt, dem historischen Mittelpunkt der Stadt.
Marktplatz und Rathaus: Renaissance-Pracht mit Geschichte
Der weitläufige Markt bildet das historische Zentrum von Delft. Auf der einen Seite erhebt sich die Nieuwe Kerk, gegenüber das reich verzierte Delfter Rathaus – ein schöner Auftakt für unseren Rundgang durch die Altstadt. Nach einem Brand wurde das Rathaus Anfang des 17. Jahrhunderts im Stil der niederländischen Renaissance neu errichtet. In den Bau integriert ist der mittelalterliche Turm Het Steen, der früher unter anderem als Gefängnis diente. Gruselfans können dort heute noch eine Folterkammer besichtigen.
Der Markt mit dem historischen Rathause gehört zum Zentrum der Delfter Alststadt
Rund um den Markt erinnern historische Gebäude wie die Waag an die frühere Handelsfunktion des Platzes. An mehreren Fassaden erinnern Giebelsteine und Hauszeichen an frühere Berufe, Händler und Bewohner.
Niederländischer Klassiker: Bitterballen zum Borrel
Nach so viel Geschichte war es Zeit für eine kleine Pause. Wir blieben gleich am Marktplatz und suchten uns mit Blick auf das historische Rathaus ein gemütliches Plätzchen und bestellten einen typisch niederländischen Klassiker: Bitterballen.
Typisch niederländisch: Bitterballen zu unserem Borrel am Marktplatz
Die knusprig frittierten Kugeln mit ihrer cremigen Ragoutfüllung werden in den Niederlanden gerne zu einem „Borrel“, einem geselligen Umtrunk, gegessen und traditionell mit Senf serviert. Uns haben sie richtig gut geschmeckt – nur beim ersten Biss ist etwas Vorsicht geboten: Die Füllung ist heißer, als man erwartet.
Oude & Nieuwe Kerk - Kirchen und Aussicht über Delft
Vom Marktplatz aus sind die beiden großen Kirchen Delfts nicht zu übersehen. Besonders die Oude Kerk hat es uns angetan. Schon von Weitem fällt ihr schiefer Turm auf. Der „Scheve Jan“ neigt sich so deutlich über die Gracht, dass man sich unwillkürlich fragt, wie er seit Jahrhunderten stehen bleiben kann. In der Oude Kerk befindet sich unter anderem die Grabstätte von Jan Vermeer. Der berühmte Maler lebte und arbeitete in Delft und an mehreren Orten der Altstadt begegnet man seiner Geschichte. Wer mehr über ihn erfahren möchte, kann im Vermeer Centrum einiges über seine Bildkomposition, Perspektive und Lichtführung erfahren. Die Nieuwe Kerk steht direkt am Markt und beherbergt die königliche Gruft des Hauses Oranien-Nassau. Wer gut zu Fuß ist, kann außerdem den Turm besteigen. Der enge Treppenaufstieg ist nicht barrierefrei und kann wetterbedingt geschlossen sein. Bei klarer Sicht reicht der Blick weit über Delft bis Richtung Rotterdam und Den Haag.
Zwischen den Sehenswürdigkeiten lohnt es sich, einfach durch die Grachtenstraßen von Delft zu schlendern..
Doch Delft besteht für uns nicht nur aus einzelnen Sehenswürdigkeiten. Gerade auf den Wegen zwischen Kirchen, Markt und Vermeer-Orten zeigt die Stadt ihren besonderen Charme: schmale Grachten, kleine Brücken und historische Häuser begleiten uns fast überall durch die Altstadt.
Delfter Blau – das berühmte Porzellan aus Delft
Delft ist weit über die Stadtgrenzen hinaus für seine blau-weiß bemalte Keramik bekannt. Royal Delft wurde 1653 gegründet und ist die einzige noch bestehende Delfter Manufaktur aus dem 17. Jahrhundert. Dort kann man die Geschichte des Delfter Blaus kennenlernen und Kunsthandwerkern bei der Bemalung zusehen.
Royal Delft stellt seit dem 17.Jahrhundert die berühmte blau-weiße Keramik her
Auch in der Stadt begegnet einem das Muster auf Schritt und Tritt - mal als modernes Kunstwerk, mal ganz klassisch in den Fenstern der Grachtenhäuser.
Delfter Keramik begegnet einem auch beim Bummel durch die Altstadt
Von Delft nach Rotterdam – ein Tag in der modernen Hafenstadt
Nach so viel Grachtenromantik wollten wir auch die ganz andere Seite der Niederlande kennenlernen. Von unserer Unterkunft in Delft fuhren wir für einen Tag mit dem Auto nach Rotterdam. Obwohl die beiden Städte nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, könnten sie unterschiedlicher kaum sein: historische Giebelhäuser und Grachten hier, moderne Architektur, Hochhäuser und Hafenflair dort.
Auf der Heimreise - ein Abstecher nach Hertogenbosch
Bevor wir Holland endgültig den Rücken kehrten, machten wir auf dem Rückweg noch einen Zwischenstopp in 's-Hertogenbosch (Den Bosch). Hier erwartete uns ein unerwarteter Kontrast.
Historische Schiffe am Brede Haven in ´s-Hertogenbosch
Zuerst zoge es uns an den Brede Haven. Dort liegen historische Schiffe vor alten Speicher- und Wohnhäusern. Es ist die perfekte Kulisse, um noch einmal das klassische Holland-Flair aufzusaugen. Danach zeigte sich der Ort von seiner futuristischen Seite:
Bolwoningen - experimentelle Kugelhäuser in Den Bosch
Nur ein paar Minuten weiter fühlten wir uns wie auf einem anderen Planeten. Wir besuchten die Bolwoningen – eine Siedlung aus 50 Kugelhäusern. Die Siedlung ist bewohnt. Besucher sollten auf den öffentlichen Wegen bleiben und Privatsphäre sowie Hauseingänge respektieren.
Die Bolwoningen: 50 ungewöhnliche Kugelhäuser aus den 1980-er-Jahren
Die 50 Bolwoningen wurden 1984 nach Plänen von Dries Kreijkamp errichtet. Die vorgefertigten Kugelhäuser waren als platzsparender und flexibel produzierbarer Wohnhaustyp gedacht. Obwohl die Häuser als Modell für eine größere Serienproduktion gedacht waren, blieb es bei dieser Siedlung. Heute gelten sie als ungewöhnliches Beispiel des experimentellen Wohnungsbaus der 1980er-Jahre.
Die futuristischen Kugelhäuser sind bis heute bewohnt
Unser Fazit – Delft als Basis für unseren Holland-Kurztrip
Delft war für uns genau die richtige Basis für diesen Kurztrip. Die Stadt ist überschaubar, lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden und bietet mit ihren Grachten, historischen Häusern und kleinen Plätzen genau das Holland-Flair, das wir so mögen. Gleichzeitig liegt das moderne Rotterdam nur wenige Kilometer entfernt und bildet dazu einen spannenden Kontrast. Und selbst auf der Heimreise gab es mit Den Bosch und den ungewöhnlichen Bolwoningen noch etwas Neues zu entdecken. Unser Tipp für Delft: Nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten ansteuern, sondern Zeit zum Schlendern einplanen. Gerade entlang der Grachten, auf kleinen Brücken und in den Seitengassen hat uns die Stadt besonders gut gefallen. Für einen ersten Eindruck reicht ein Tag; wer auch Royal Delft, das Vermeer Centrum und die Kirchen ausführlicher besuchen möchte, sollte mehr Zeit einplanen.