In Delft begibt man sich auf eine Zeitreise. Überall ziehen sich schmale Grachten durch die Stadt, gesäumt von historischen Giebelhäusern..
Wer uns kennt, weiß: Wir sind absolute Holland-Fans. Für unseren Trip nach Rotterdam war das benachbarte Delft das ideale ‚Basislager‘. Nur etwa 15 Minuten Bahnfahrt trennen diese zwei Welten, die gegensätzlicher kaum sein könnten: Während Rotterdam uns mit futuristischer Architektur beeindruckte, fühlten wir uns in Delft, als wäre die Zeit stehen geblieben. Überall ziehen sich schmale Grachten durch die Stadt, gesäumt von historischen Giebelhäusern – eine wahre Zeitreise!
Delft: Klein, fein und alles zu Fuß erreichbar
Was uns an Delft so gut gefiel: Die Stadt hat eine wunderbar überschaubare Größe. Im historischen Stadtkern ist alles nur ein Katzensprung voneiander entfern. Man braucht kein Fahrrad und erst recht kein Auto – die schönsten Ecken erkundet man am besten ganz entspannt zu Fuß.
Der Beestenmarkt: das gesellige Herz von Delft
Unser erster Weg führte uns zum Beestenmarkt. Früher wurde hier mit Vieh gehandelt, heute ist es der gesellige Mittelpunkt der Stadt. Unter dichten Platanen kann man hier wunderbar in einem der zahlreichen Cafés, Bars und Restaurant sitzen und das Treiben beobachten.

Marktplatz und Rathaus: Renaissance-Pracht mit Geschichte
Das Delfter Rathaus ist ein echtes Prachtstück der Renaissance (1620). Besonders spannend: Das Gebäude wurde um den mittelalterlichen Turm „Het Steen“ herumgebaut, der als einziger ein großes Feuer überstand. Dieser Turm aus dem 13. Jahrhundert diente früher als Gefängnis – Gruselfans können dort heute noch eine Folterkammer besichtigen. Übrigens: Auch der Maler und der berühtmte Sohn von Delft - Johannes Vermeer - hat hier geheiratet!

Der riesige Platz rundherum atmet Geschichte. Wo ihr heute entspannt euren Kaffee genießt, wurde früher im Butterhaus gehandelt oder in der Stadswaag gewogen. Achtet mal auf die Giebelsteine der Cafés - sie verraten noch heute, wo führ die alten Zünfte zu Hause waren.

Der Klassiker zum Drink: Bitterballen
Was wäre ein „Borrel“ (der typische holländische Umtrunk) ohne Bitterballen? Diese knusprig frittierten Kugeln mit ihrer cremigen Ragoutfüllung sind der ultimative Snack zum Bier oder Spritz. Traditionell werden sie kochend heiß mit Senf serviert. Aber Vorsicht beim ersten Biss: Die Füllung ist meistens deutlich heißer, als sie aussieht!
Delfter Blau und die Spuren von Jan Vermeer
Kein Delft-Besuch ohne das berühmte Porzellan! Ein absolutes Highlight ist der Besuch bei Royal Delft, der letzten verbliebenen Porzellan-Manufaktur aus dem 17. Jahrhundert. Hier kann man zuschauen, wie das „Blaue Gold“ noch heute per Hand verziert wird.

Auch in der Stadt begegnet einem das Muster auf Schritt und Tritt - mal als modernes Kunstwerk, mal ganz klassich in den Fenstern der Grachtenhäuser.

Schiefe Türme und königliche Aussichten: Oude & New Nieuwe Kerk
Natürlich kommt man in Delft an der Geschichte nicht vorbei. Besonders die Oude Kerk hat es mir angetan. Ihr Turm, der „Schiefe Jan“, neigt sich so stark über die Gracht, dass man sich fragt, wie er seit Jahrhunderten stehen bleiben kann. Hier liegt auch Jan Vermeer begraben. Wer mehr über ihn wissen will, sollte ins Vermeer Centrum gehen. Man erfährt dort wahnsinnig viel über seine Technik und das magische Licht, das seine Bilder so einzigartig macht.

Die schmalen Gassen und schiefen Häuserzeilen in Delft lassen einen an jeder Ecke die Geschichte spüren.
Mein persönlicher Tipp: Delft ist perfekt für alle, die das „typische“ Holland ohne Massentourismus suchen. Schlendert einfach mal durch die kleinen Seitengassen, über Brücken und an den Grachten entlang. Dort findet ihr die süßesten kleinen Läden und versteckte Hinterhöfe (Hofjes), die eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahlen. Und steigt auf den Turm der Nieuwe Kerk, um bis nach Rotterdam zu blicken!
Auf der Heimreise: Ein Abstecher in eine andere Welt nach Hertogenbosch
Bevor wir Holland endgültig den Rücken kehrten, machten wir auf dem Rückweg noch einen Zwischenstopp in 's-Hertogenbosch (Den Bosch). Hier erwartete uns ein Kontrast, mit dem wir so nicht gerechnet hatten. Zuerst Historie...

Zuerst zog es uns ins Zentrum zur Brede Haven. Der Anblick dort ist wie aus dem Bilderbuch: Historische Schiffe liegen vor prachtvollen alten Giebelhäusern an der Kaimauer. Es ist die perfekte Kulisse, um noch einmal das klassische Holland-Flair aufzusaugen. ...dann Science-Fiction:
Die Bolwoningen - wohnen in der Mondlanschaft

Doch nur ein paar Minuten weiter fühlten wir uns wie auf einem anderen Planeten. Wir besuchten die Bolwoningen – eine Siedlung aus 50 schneeweißen Kugelhäusern. Mit ihren runden Bullaugen-Fenstern sehen sie aus wie gelandete Raumkapseln in einer ganz normalen Wohngegend. Diese Architektur aus den 80er Jahren ist schräg, faszinierend und ein absoluter Fototipp!

Obwohl diese futuristischen Kugeln heute wie Fremdkörper in der Stadt wirken, waren sie damals als Startschuss für eine Massenproduktion gedacht, die jedoch nie kam. Erst nach heftigen Diskussionen über Baumängel und sogar Abbruchplänen wurden die Häuser restauriert und durch kleine Anbauten am Fuß gerettet – so blieb dieses einzigartige Experiment für uns bis heute erhalten
Mein Fazit: Unsere Reise war die ideale Kombination für einen abwechslungsreichen Holland-Trip!:Wenn ihr Rotterdam besucht, plant unbedingt ein oder zwei Tage für Delft ein. Es ist der perfekte Ort, um nach der Großstadt-Hektik wieder aufzutanken.