Von Wiesbaden ins Rheingau - ein Wochenende mit Stadtbummel, Rheinromantik und Wandern
Warum in die Ferne verreisen, wenn es so viel vor der Haustür zu entdecken gibt? Der Rheingau liegt nur rund 40 km von Frankfurt entfernt und ist perfekt für eine Kurzreise. Weinberge, historische Orte, der Rhein und bekannte Ausflugsziele liegen hier nah beieinander.
Wir waren nicht zum ersten Mal im Rheingau, aber dieses Mal wollten wir ein ganzes Wochenende hier verbringen. Unser Plan: ein Stadtbummel durch Wiesbaden, ein Abend in Rüdesheim und eine Wanderung durch die Rheingauer Landschaft. Zwei Tage, die ganz unterschiedliche Eindrücke bieten:
Wiesbaden: Ein Stadtbummel zum Auftakt
Unser Wochenendausflug begann in Wiesbaden. Wir wollten keine Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern einfach das Flair der mondänen Stadt mit ihren prächtigen Altbauten und dem imposanten Kurhaus mit Kurpark genießen. Wir parkten auf einem der günstigen Parkplätze direkt vor dem Hauptbahnhof und schlenderten von dort über die Bahnhofstraße in Richtung Innenstadt.
Der Wiesbadener Wochenmarkt vor der imposanten Kulisse der Marktkirche
Jeden Samstag findet der Wochenmarkt vor der Kulisse der Marktkirche auf dem Schlossplatz statt. Wir bummelnten zwischen den Marktständen hindurch. Hier werden vor allem regionale Produkte angeboten, doch der Wochenmarkt ist auch ein Ort der Begegnung. Man trifft sich, kommt ins Gespräch und genießt vielleicht schon ein Gläschen Wein. Für Wein war es uns zwar noch zu früh, aber an der originalen Mainzer Fleischwurst konnten wir nicht vorbeigehen.
Weiter führte uns der Weg durch die gemütlichen Gassen der Innenstadt. Hier wird entspannt flaniert, in individuellen Boutiquen gestöbert und draußen gesessen. Kurzum: Hier lässt es sich aushalten.
Prachtvolle Architektur: Das klassizistische Kurhaus Wiesbaden mit seinem beeindruckenden Springbrunnen
Auf dem Rückweg schlenderten wir am Kurpark und dem prachtvollen Kurhaus vorbei, in dem sich das berühmte Spielcasino befindet. Wir haben die prunkvollen Innenräume schon bei einem früheren Besuch gesehen – sie sind ebenso sehenswert wie die repräsentative Architektur von außen. Hier kommt ihr zum virtuellen Rundgang durchs Wiesbadener Kurhaus
Rüdesheim: Übernachten in der Drosselgasse
Weiter ging die Fahrt nach Rüdesheim, wo wir die Nacht verbringen wollten. Kurzfristig noch ein schönes Hotel zu finden, erwies sich allerdings als schwierig Wir haben uns schlussendlich für eine Unterkunft in der Drosselgasse entschieden, um am Abend das Auto stehen lassen zu können.
Rheinromantik pur: Der malerische Blick über den Fluss auf Rüdesheim, die historische Brömserburg und die idyllischen Rebhänge des Rheingaus (Aus unserem Archiv)
Bevor es zum gemütlichen Abendprogramm überging, bummelten wir noch ein wenig durch Rüdesheim. In den schmalen Gassen reihen sich Weinprobierstände, Souvenirgeschäfte und urige Kneipen aneinander und es herrscht ein reges Treiben. Was uns bei diesem Besuch jedoch besonders ins Auge fiel: An einigen Ecken scheint die Zeit ein wenig stehen geblieben zu sein. So manches Geschäft und Fassaden tragen inzwischen den unverkennbaren Charme vergangener Jahrzehnte.
Charmante Altstadtkulisse in Rüdesheim am Rhein
Schweben über den Reben: Das Niederwalddenkmal
Hoch über dem Ort thront das berühmte Niederwalddenkmal, eines der bekanntesten Wahrzeichen des Rheingaus. Wer hinauf möchte, kann wandern oder ganz bequem mit der Seilbahn über die Weinberge schweben.
Hoch über den herbstlichen Rebhängen thront das berühmte Niederwalddenkmal
Die kleinen Gondeln haben nostalgischen Charme und bieten ein herrliche Aussicht auf die Rebhänge und das Rheintal. Ein schöner Tipp: Man kann sich für die Fahrt sogar ein Glas Sekt buchen.
Sanft über die Reben schweben: Die Fahrt mit der historischen Seilbahn hinauf zum Niederwalddenkmal bietet einen wunderbaren Blick auf die Weinterrassen.
Abendstimmung in der Drosselgasse
Die Drosselgasse ist die wohl berühmteste Gasse Rüdesheims. Sie ist bekannt für ihre Weinstuben, Restaurants und die Live-Musik, die seit jeher Gäste aus aller Welt anlockt.
Die weltberühmte Drosselgasse: historischen Weinhäuser laden zum Verweilen ein
Für unseren Abend hatten wir einen Tisch im traditionellen Rüdesheimer Schlösschen reserviert. Dort wurden wir nicht nur kulinarisch verwöhnt, sondern auch bestens unterhalten: Vier Musiker sorgten mit Live-Musik für Stimmung, sodass wir spontan die Gelegenheit nutzten und sogar ein Tänzchen wagten. Überrascht hat uns allerdings, dass es an diesem Samstagabend drumherum erstaunlich ruhig war. Live-Musik gab es insgesamt nur in drei Lokalen. Wir hatten ehrlich gesagt mit deutlich mehr Trubel gerechnet
Im traditionellen Rüdesheimer Schlösschen sorgten Live-Musik und eine stimmungsvolle Atmosphäre für einen unvergesslichen Abend.
Besonders spannend war auch eine Geschichte, die uns die Wirtin erzählte. Früher war die Schifffahrt rund um Rüdesheim alles andere als ungefährlich. Das Binger Loch, eine enge und einst von gefährlichen Felsen geprägte Passage im Rhein, galt jahrhundertelang als gefürchtetes Hindernis für die Rheinschiffer. Bevor sich die Schiffer an die Wagnisse der Passage wagten oder nachdem sie das Hindernis meisterten, machten sie Halt in Rüdesheim. Die schmale Drosselgasse bot den Seeleuten damals eine geschützte Gasse zum Anlegen und Rasten. Wenn man sich vorstellt, wie in den schmalen Fachwerkhäusern schon vor Hunderten von Jahren erschöpfte Seemänner saßen und auf eine sichere Weiterfahrt anstießen, bekommt die Drosselgasse gleich noch einmal eine ganz andere, geschichtsträchtige Tiefe!
Wanderung von Eltville zum Kloster Eberbach
Wanderung von Eltville zum Kloster Eberbach Am nächsten Morgen trafen wir uns im nahegelegenen Eltville mit unserer Wandergruppe. Das Rosenstädtchen gefällt uns persönlich besonders gut. Wer mehr über den hübschen Rheingau-Ort erfahren möchte, findet in unserem Bericht "Unser Ausflug in die Wein-und Rosentadt Eltville" weitere Eindrücke und Tipps.
Blick durch das Maintor auf die Uferpromenade von Eltville Das Martinstor ist das einzig noch erhaltene Stadttor in Eltville
Von Eltville aus machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum berühmten Kloster Eberbach. Unsere rund 15 Kilometer lange Wanderung führte zunächst am Rhein entlang, dann durch die Weinberge und später ein Stück durch den Wald. Unterwegs boten sich immer wieder wunderschöne Ausblicke bis hin zum Rhein.
Die Rheingauer Weinberge bieten einen fantastischen Blick über das Rheintal
Das Kloster Eberbach war ein schönes Ziel für eine Rast bevor wir unseren Rückweg nach Eltville antraten. In der Vinothek nutzten wir die Gelegenheit zur Weinverkostung. Es mag zunächst ungewöhnlich klingen, aber tatsächlich gehören die Weinberge an der fast 80 Kilometer entfernten Hessischen Bergstraße schon seit Jahrhunderten zum Besitz von Kloster Eberbach. Für uns als Bergsträßer eine interessante Verbindung zwischen zwei hessischen Weinregionen.
Beeindruckendes Ziel unserer Wanderung: Das historische Kloster Eberbach, eingebettet in die idyllische Landschaft des Rheingaus.
Fazit: Ein abwechslungsreiches Wochenende im Rheingau
Unser Wochenende im Rheingau bot eine schöne Mischung aus Stadtbummel, geselligem Abend und einer ausgedehnten Wanderung durch die Weinlandschaft. Während wir in Wiesbaden das städtische Flair genossen und den Abend in Rüdesheim bei gutem Essen und Live-Musik verbrachten, stand am nächsten Tag die Natur im Mittelpunkt. Die Wanderung zum Kloster Eberbach war ein gelungener Abschluss.
Doch der Rheingau hat noch so viel mehr zu bieten, das wir bisher nicht entdeckt haben. Es gibt noch zahlreiche Orte zu erkunden, Weinberge zu durchstreifen und Wanderwege auszuprobieren. Ein guter Grund, bald wiederzukommen!