Tipps zum Thema Kindersicherheit

Wussten Sie, dass Kinder unter 15 Jahren häufiger an den Folgen eines Unfalls sterben als an einer Infektions- oder Krebserkrankung? Natürlich wollen wir unsere Kinder nicht in "Watte packen". Damit Kinder angstfrei und so sicher wie möglich aufwachsen können, ist es wichtig, lauernde Gefahren rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern. Wir haben Experten gefragt, wo die häufigsten Gefahren lauern und wie man seine Kinder am Besten schützen kann

Am häufigsten verletzen sich Kinder in den eigenen vier Wänden

Die meisten Unfälle passieren zuhause. Am häufigsten stürzen oder stoßen sich Kinder. Experten gehen davon aus, dass 60% aller Unfälle durch geeignete Vorsichtsmaßnahmen vermieden werden könnten. Nach Angaben der BAG mehr Sicherheit fürs Kind verletzen sich Kinder im häuslichen Bereich (Haus, Hof, Garten) so schwer, dass sie ärztlich versorgt werden müssen. 47 Prozent dieser Unfälle betreffen Kinder unter sechs Jahren . Jeder zweite dieser Unfälle ist ein Sturzunfall, bei denen Kinder vom Wickeltisch oder vom Hochstuhl, vom Etagenbett oder von der Gartenbank, aber auch von Gartenschaukeln, Wippen oder von der Treppe fallen.

Hier ist das Unfallrisiko für Kinder besonders hoch  ( für mehr Infos bitte auf das entsprechende Foto klicken)


Kinder vor Vergiftungen schützen   Gefährliche Schnittverletzungen müssen nicht sein     Erstickungsgefahr durch Nüsse     Studie: Bewegung macht Kinder sicherer


Sommer, Sonne, Urlaub, Meer – wenn Familien eine Reise tun, möchten sie was erleben. Damit die schönste Zeit des Jahres zu einem schönen, stressfreien Erlebnsi wird, hilft eine gute Planung, einige Vorsichtsmaßnahmen und ein kurzer Sicherheits-Check am Urlaubsort.
 

   Kindersichere Urlaubsdomizile auf dem Bauernhof     Stressfrei und sicher in den UrlaubSo sind Kinder im Wasser sicher   Sicher auf Schaukel, Klettergerüst & Co
 


Experten-Tipps für den Notfall 

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen lassen sich Blessuren und Unfälle bei Kindern leider nicht immer vermeiden. Hallo-Bergstrasse sprach anlässlich des Kindersicherheitstages mit Lucia Jäger, Bezirksgeschäftsführerin der BARMER Ersatzkasse in Seeheim, die nützliche Tipps für alle Eltern parat hält, denn das richtige Handeln bei Unfällen kann im Notfall lebensrettend sein.

Lucia Jäger_Barmer_Seeheim_Jugenheim

Frau Jäger, welchen Ratschlag geben Sie Eltern für den Fall, dass sich ihr Kind verletzt?

Auch, wenn es schwer fällt: Ruhe bewahren ist das Wichtigste! Ein Unfall bedeutet immer Stress für die ganze Familie. Die Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen, aber gleichzeitig auch oft die einzigen handlungsfähigen Personen in dieser Situation. Eltern helfen ihrem Kind am besten, wenn sie es zunächst mit Worten und durch Streicheln beruhigen und es nicht allein lassen. Hilfe kann dann gegebenenfalls auch durch eine zweite Person geholt werden. Ist ein Unfall passiert, sollten sich Eltern zunächst einen Überblick über die Gefahrensituation verschaffen und die Gefahrenstelle absichern, also beispielsweise die Herdplatte ausschalten. Für den Fall der Fälle ist die wichtigste Nummer immer noch die Notrufnummer 112.

Die "5 -W" für den Notfall

  • Wo ist der Unfall passiert ?
  • Was ist passiert ?
  • Wie viele sind betroffen (auch das Alter des Kindes angeben!) ? 
  • Welche Verletzungen sind zu sehen ?
  • Warten - denn möglicherweise gibt es noch Rückfragen, die zu beantworten sind.

Der Rettungswagen benötigt in den meisten Fällen bis zu zehn Minuten, bis er eintrifft. Mit Erster Hilfe sollte aber sofort begonnen werden, daher ist es wichtig, die Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen. Das Deutsche Rote Kreuz bietet beispielsweise Erste Hilfe Kurse an.

Kinder klettern gerne, dabei kommt es immer wieder zu Stürzen. Wwie sollen Eltern sich verhalten?

Die meisten Stürze gehen zum Glück glimpflich aus. Für Eltern ist es vor allem beim Sturz auf den Kopf schwierig zu unterscheiden, ob es sich nur um eine kleinere Beule oder schon um eine ernsthafte Verletzung handelt.  Eine Gehirnerschütterung kann folgende Symptome zeigen: Das Kind ist sehr kurz bewusstlos und kann sich nicht mehr direkt an den Sturz erinnern. Im weiteren Verlauf ist es ungewöhnlich müde und schläfrig. Wenn sich noch Übelkeit bis zum Erbrechen einstellt, sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Kleinere Kinder können noch keine Abwehrbewegungen mit den Armen vornehmen. Bei einem Sturz fallen sie daher besonders häufig direkt auf das Gesicht. Eltern sollten prüfen, ob das Kind nach einem Sturz den Mund vollständig weit öffnen kann oder ob Zähne ausgefallen oder beschädigt sind. Einen herausgeschlagenen Zahn transportiert man am besten in feuchter Umgebung zum Zahnarzt. Gut eignet sich hierfür ein Glas Milch, besser als Wasser.
„PECH-Schema“ beachten:

  • Pause: Der verletzte Körperteil wird ruhig gestellt. 
  • Eis: Wenn keine offene Wunde besteht, sollte mit Kühlpackungen oder einem in kaltem Wasser getränkten Tuch gekühlt werden. 
  • Compression: Anlegen eines elastischen Druckverbands 
  • Hochlagerung

Was sollen Eltern tun, wenn ihr Kind eine giftige Substanz verschluckt haben?

Wenn die Kleinen in einem unbeobachteten Moment giftige Produkte probieren, können Vergiftungen und Verätzungen die Folge sein.Wenn möglich sollten Reste aus dem Mund entfernt werden. Es ist wichtig, das Kind zu beruhigen und festzustellen, was es verschluckt hat.. Wenn das Kind erbricht ist es wichtig, die Atemwege freizuhalten und das Kind nicht auf den Rücken zu legen, besser auf die Seite. Je nach Beschwerden des Kindes sollte entweder die Giftnotrufzentrale oder – bei Vergiftungserscheinungen wie Schwindel, Benommenheit und Schläfrigkeit – die Notrufnummer 112 angerufen werden. 

Bis der Notarzt da ist, vergehen ein paar Minuten. In der Zwischenzeit sollte das Kind keine Milch trinken. „Milch ist kein ‚Gegengift’“, „Im Gegenteil: Bei vielen Substanzen fördert Milch die Aufnahme von Gift in den Körper und die Vergiftungserscheinungen werden verstärkt. Außerdem sollten Eltern kein Erbrechen beim Kind erzwingen: Das Kind könnte dabei sauren Mageninhalt verschlucken und das kann eine massive Lungenentzündung auslösen.

Stromschläge sind sehr gefährlich und leider sind Steckdosen nicht überall durch  Kindersicherungen geschützt. Welche Maßnahmen müssen sofort ergriffen werden, wenn es tatsächlich zum Ernstfall kommt?

Als erstes den Stromkreis unterbrechen und die Sicherungen ausschalten. Dann muss unbedingt ein Arzt aufgesucht oder der Notarzt gerufen werden. Nach einem Stromschlag kann es auch noch einige Zeit später zu Herzrhythmus-Störungen kommen, die von einem Arzt beobachtet werden müssen. Hinter kleinen äußerlichen Blessuren können sich auch schwere innere Verletzungen verbergen. Als erste Hilfe sollten Eltern zu Hause schon mal die Brandwunde abdecken, die beim Eindringen des Stromes in den Körper entsteht.  Außerdem sollte das Kind nichts mehr essen oder trinken, bis es beim Arzt war.  Und trotz Stress: Impfbuch nicht vergessen!  Der Tetanusschutz muss überprüft werden

Was können Eltern tun, wenn sich ein Kind verbrennt ?

Die verbrannte Körperstelle sofort unter fließendes Wasser von etwa 20 Grad Celsius halten und nicht länger als zehn bis 15 Minuten kühlen.   Nicht mit Eis oder Eiswasser kühlen. Anschließend versucht der Körper, die gekühlte Stelle durch verstärkte Durchblutung wieder aufzuwärmen. Das verstärkt eher die Schmerzen. Und auch, wenn es gut gemeint ist: Mehl oder Puder hilft bei Verbrennungen nicht, sondern verklebt die Wunde und muss schmerzhaft wieder entfernt werden. Bei größeren Verletzungen sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Leider hört man immer wieder von Badeunfällen. Lauern die Gefahren auch im eigenen Haus?

Richtig! Schnell können Schwimmbecken, Regentonnen im Garten, aber auch Badewannen zu gefährlichen Fallen für kleine Kinder werden. Kinder ertrinken auch, wenn das Wasser nicht sehr tief ist. Manchmal kann auch eine große Pfütze schon ausreichend sein. Außerdem wehren Kinder sich in der Regel nicht und rufen auch nicht nach Hilfe, weil sie die Orientierung verlieren, sobald ihr Kopf unter Wasser ist.. Kommt es zu einem Unfall, müssen Eltern wissen, was zu tun ist. Erste Maßnahmen beim Herz-Kreislaufstillstand durch Ertrinken sind eine Mund-zu-Nase-Beatmung und eine Herzdruckmassage.  

Bei einer Unterkühlung die nasse Kleidung ausziehen und das Kind warm einpacken.  Auch eine Rettungsfolie, wie sie im Verbandskasten ist, kann ausreichend wärmen – die silberne Seite zum Körper drehen.



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