Wann sind Kinder schulreif ? 

Schule/Foto AOK

Josef Zimmermann, Diplom-Psychologe und Leiter der Katholischen Erziehungs- und Familienberatungssteller zum Thema Schulreife

Fast alle Kinder sind mächtig stolz, wenn sie im Kindergarten schon zu den "Großen" gehören und bald in die Schule kommen. Mit dem Alter von sechs Jahren beginnt in Deutschland die Schulpflicht. Doch wie erkennt man, ob ein Kind schulreif ist? Muss es beispielsweise bis 20 zählen und seinen Namen schreiben können?

Josef Zimmermann, Diplom-Psychologe und Leiter der Katholischen Erziehungs- und Familienberatungsstelle gibt in einem Interview Auskunft:

Was müssen Kinder können, die in die Schule kommen?
Es ist nicht notwendig, dass Kinder am ersten Schultag bereits lesen, schreiben und rechnen können. Das sollen sie ja schließlich noch lernen. Die Kinder sollten körperlich altersgemäß entwickelt sein, also zum Beispiel balancieren, einen Stift richtig halten oder mit der Schere etwas ausschneiden können. Fürs Lesen- und Schreibenlernen ist es wichtig, dass sie einzelne Silben und Buchstaben voneinander unterscheiden können. Die Jungen und Mädchen sollten neugierig und interessiert sein, etwas zu lernen. Emotionale und soziale Kompetenzen sind ebenfalls entscheidend: Zum Beispiel müssen Schulkinder auch einmal Kritik aushalten und sich in eine Gruppe eingliedern können.

Wie lange sollten sich Schulstarter konzentrieren können?
Erstklässler sollten etwa eine halbe Stunde bei einer Sache bleiben können, zum Beispiel bei den Hausaufgaben. Das heißt nicht, dass sie die ganze Zeit still sitzen müssen. Sie können auch zwischendurch einmal aufstehen und sich bewegen, sollten dann aber weitermachen. Wenn sich Kinder leicht ablenken lassen und schnell die Lust an einer Aufgabe oder einem Spiel verlieren, sollten die Eltern sie ermuntern, es zu Ende zu führen, verbunden mit einem Lob für ihr Durchhaltevermögen. Kinder, die täglich lange vor dem Fernseher oder Computer sitzen, sind übrigens häufig unkonzentriert, weil sie die in der Regel zu viele Bildschnitte verarbeiten müssen, die auf sie einströmen. Grundschüler sollten deshalb nicht länger als insgesamt eine Stunde am Tag fernsehen oder den PC nutzen.

Wie selbstständig müssen die Kinder sein?
Die Kinder sollten in der Lage sein, altersgerechte Aufgaben eigenständig oder in der Gruppe zu lösen. Wie selbstständig ein Kind ist, ist neben der Mentalitätsfrage auch eine der Erziehung. Die Eltern sollten ihrem Kind deshalb nicht alles abnehmen. Sie sollten ihm Hilfestellung geben, es dann aber eigenständig eine Aufgabe oder den nächsten vereinbarten Schritt, zum Beispiel beim Zimmeraufräumen, bewältigen lassen. Ihre Schuhe sollten die Kleinen ebenfalls selbst zubinden - auch wenn dies wesentlich länger dauert, als wenn es ein Erwachsener macht. Kinder sind stolz, wenn ihnen etwas zugetraut wird und sie dies schaffen.

Welche sozialen Kompetenzen sind wichtig?
Schulstarter sollten Kontakte knüpfen und sich in eine Gruppe eingliedern können. Dazu gehört, dass sie eigene Interessen durchsetzen, aber auch einmal zurückstecken können. Sie müssen lernen, dass man Fehler machen kann und ab und zu Kritik aushalten muss. Zudem sollten sie stabil genug sein, um auch einmal schwierige Situationen durchzustehen, ohne gleich die Flinte ins Korn zu werfen. 

Sollten Eltern ihren Nachwuchs gezielt auf die Schule vorbereiten?
Das ist im Normalfall nicht nötig. Alle motorischen und sozialen Fähigkeiten, die die Kinder für die Schule brauchen, lernen sie gewöhnlich automatisch im Familienalltag und im Kindergarten. Wichtig ist allerdings, dass die Kinder nicht nur versorgt sind, sondern dass die Eltern für einen geregelten Tagesablauf sorgen, mit Begrenzungen einerseits und Zeiten für Freiräume sowie ungeteilter Aufmerksamkeit andererseits. Das gibt den Kleinen Sicherheit und Geborgenheit. Die Jungen und Mädchen sollten außerdem die Möglichkeit haben, sich viel zu bewegen. Wie wird die Schulreife überprüft? Beim Schuleignungs- oder Schulreifetest untersucht der Schularzt des örtlichen Gesundheitsamtes, ob ein Kind schulfähig ist. Der Mediziner beurteilt die körperliche Entwicklung des Kindes, beispielsweise durch Hör- und Sehtests. Außerdem achtet er auf den Entwicklungsstand des Kindes, zum Beispiel die Sprachfähigkeit, das logische Denken und die Fähigkeit, Formen und Farben zu unterscheiden. Die Untersuchung dient auch dazu, Störungen möglichst frühzeitig zu erkennen und das Kind dann entsprechend zu fördern oder zu behandeln. Bei der Einschätzung der Schulfähigkeit spielen jedoch primär die Eltern und die Erzieherinnen in den Kindergärten und Kindertagesstätten die Hauptrolle.

Inwieweit schätzen die Erzieherinnen die Schulfähigkeit ein?
Die Erzieherinnen in den Kindergärten und Kindertagesstätten beurteilen die Schulreife anhand einer regelmäßigen Einschätzung des Entwicklungsstandes des Kindes, die sie bei Bedarf mit den Eltern besprechen. Sie wissen meist ganz genau, welches Kind schulfähig ist und welches noch nicht. Wenn ein Kind gefördert werden sollte, informieren sie die Eltern. 

Wie können die Kinder gefördert werden? 
Bei Sprachschwierigkeiten, zum Beispiel wenn ein Kind lispelt, kann eine Logopädie hilfreich sein. Wenn ein Kind sich sehr schwer tut, sich aufmerksam und konzentriert zu halten - also zum Beispiel nach dem Legen von zwei Puzzleteilen schon die Lust am Puzzeln verliert, ist eine Ergotherapie häufig sinnvoll. Eine rechtzeitige Förderung bringt meist gute Erfolge. So kann vermieden werden, dass das Kind durch Misserfolge in der Schule die Lust am Lernen verliert. psg/Aok



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