Lernen im Schlaf

Der letzte Abend vor dem Referat. Auf dem Tisch türmen sich Bücher und Fachaufsätze. Der Zeiger rückt auf zwei Uhr, dann auf vier. Das Beste wäre, jetzt schlafen zu gehen. Doch genau das gelingt vielen Menschen nicht. Manche hält die Nervosität wach. Andere glauben, in der Nacht vor Prüfungen oder Präsentationen noch einmal alles geben zu müssen. Tatsächlich könnten sie das auch im Schlaf tun: „Während wir schlafen, verarbeitet unser Gehirn Informationen und verankert sie im Gedächtnis“, erklärt Diplom-Psychologe Frank Meiners von der DAK. „Wer gut und ausreichend schläft, kann Prüfungen gelassener entgegensehen: Denn in der nächtlichen Ruhe verbessern wir unsere geistigen Fähigkeiten und schaffen Platz für kreative Lösungen.“
 


 

Lernen im Schlaf

Lernerfolg im Schlaflabor
Über schwierige Fragen schläft man am besten eine Nacht. Diese Erfahrung konnte der Lübecker Schlafforscher Jan Born mit einem wissenschaftlichen Experiment bestätigen. Er stellte Testpersonen vor ein schwieriges Rätsel. Eine Gruppe, die kurz nach der Aufgabenstellung geschlafen hatte, fand nach dem Aufwachen bald heraus, dass es einen einfachen Trick gab. Das sahen die Teilnehmer ohne Schlaf nicht. Sie lösten das Rätsel über mühevolle Einzelschritte. Schlafen sorgt aber nicht nur für mehr Einfallsreichtum. Wer nach dem Lernen schläft, kann das Gelernte auch besser erinnern. Das zeigten Psychologen bereits zu Anfang des letzten Jahrhunderts. Die Zusammenhänge zwischen Schlaf und Erinnerung untersuchen auch heute noch viele Forschergruppen. So stellten Wissenschaftler aus Illinois fest, dass Menschen Bilder besser einordnen können, wenn man ihnen im Schlaf dazu passende Geräusche vorspielt. Auch der Geruchssinn spielt anscheinend eine Rolle: Born zeigte, dass wir besser Memory spielen, wenn uns im Schlaf Düfte zugeführt werden.

Nächtlicher Hochbetrieb im Gehirn
Das Gehirn schläft nicht, im Gegenteil: Es nutzt die reizarme Schlafzeit, um Nervenzellen neu zu vernetzen und die Eindrücke des Tages dauerhaft zu speichern. Es kommt also zu nächtlichem Hochbetrieb, wie bei Bauarbeiten an einer wichtigen Kreuzung. Deshalb verbraucht das Gehirn in einzelnen Schlafphasen ebenso viel Energie wie im Wachzustand. Vor dem Speichern bewertet das Gehirn die Informationen. Zuständig dafür ist eine Ausstülpung am unteren Ende der Großhirnrinde, der Hippocampus. Er funktioniert wie ein Zwischenspeicher für alle Informationen: von der Farbe der Kaffeetasse beim Frühstück über den Vortrag an der Uni bis hin zu den TV-Nachrichten. Wichtiges überträgt das Gehirn dann in das Langzeitgedächtnis – vor allem im Schlaf. Dabei verinnerlicht es auch motorische Fähigkeiten wie Klavierspielen oder Fahrradfahren. So kann es sein, dass ein Kind viele Male vom Rad fällt und frustriert aufgibt – um am nächsten Morgen fröhlich davonzuradeln.

Guter Schlaf trotz Stress
Diplom-Psychologe Frank Meiners von der DAK gibt Tipps für den guten Schlaf vor Prüfungen.

Nicht auf den letzten Drücker
Die Deadline für eine Präsentation oder Prüfung am besten schon einen Tag früher als nötig setzen. So kann sich der Vortrag im Gehirn festigen.

Bewegung gegen Aufregung
 Wer vor Prüfungen schlecht schläft, sollte tagsüber für ausreichend Bewegung sorgen. Frühes Aufstehen, viel Sport und frische Luft machen den Körper müde. So kann auch der Geist besser abschalten.

Rechtzeitig runterfahren
 Spätestens eine Stunde vor dem Schlafengehen die Bücher beiseite legen und den Computer ausschalten. Auch der Fernseher sollte nun lieber ausbleiben.

Räumliche Trennung
 Nicht jeder kann den Luxus eines separaten Schlafund Arbeitszimmers genießen. Laptop und Lehrbücher gehören jedoch nicht auf den Nachttisch. Eine klare Trennung der beiden Bereiche hilft, besser zu schlafen.

Nichts erzwingen
 Wer im Prüfungsstress nicht einschlafen kann, sollte das nicht erzwingen. Statt sich zwei Stunden hinund herzuwälzen, lieber aufstehen und eine halbe Stunde spazieren gehen oder einen Roman lesen.

Keine Experimente
Der Schlummertrunk mag zwar zu einem schnelleren Schlaf führen, dieser ist dann jedoch nicht erholsam. Schlafmittel, andere Medikamente und Alkohol sind gerade vor Prüfungen tabu. Sie behindern das Gehirn bei seinen nächtlichen Bauarbeiten.



Weiteres zum Thema:  

Schlaf

  
Gewinnspiel_728x90
  
Ausflugsziele an der Bergstrasse und in der Umgebung
  
  
JAHN Reisen