Am Mühlentag, dem Pfingstmontag, ist im Weinheimer Sechs-Mühlen-Tal auch eine Ölmühle im Originalzustand zu besichtigen

Den Leuten ging es nicht gut in der Zeit um den Zweiten Weltkrieg. Lebensmittel waren knapp, Speiseöl eine seltene Delikatesse. Zu dieser Zeit mussten sich die Menschen behelfen. Im Wald sammelten sie Bucheckern und Walnüsse, die sie dann in Körben, zusammen mit Raps oder Mohn, zum Müllermeister brachten. Zum Beispiel in die Untere Fuchs’sche Mühle im Birkenauer Tal in Weinheim. Dort nahm Müllermeister Fuchs die ölhaltigen Körner an, um daraus Öl herzustellen. Sie wurden gemahlen, gemaischt und schließlich gepresst. Der mächtige Kollergang mit seinem tonnenschweren Metallteller war fast rund um die Uhr in Bewegung. Angetrieben wurde er durch den Odenwaldfluss Weschnitz. Wenn in Deutschland am Pfingstmontag, den 24. Juni, das Sechs-Mühlen-Tal zwischen Weinheim und Birkenau mit seinen historischen Mühlen am rauschenden Bach wieder in den Mittelpunkt der Region rückt, dann gibt Armin Krichbaum, Enkelsohn des letzten Müllers Carl Michael Fuchs, diesmal auch ganz besondere Einblicke in die alte Mühlentechnik der Unteren Fuchs’schen Mühle.

Sie ist als kleines Mühlenmuseum die einzige Ölmühle im Sechs-Mühlen-Tal, die im Originalzustand erhalten und innen zu besichtigen ist. Die Untere Fuchs’sche Mühle ist ein Industriedenkmal mit einigen Raritäten. Der Kollergang der Firma Werner&Pfleiderer stammt aus dem Jahr 1927 und ist ein Unikat – einmalig in Deutschland. Angetrieben wurde sie vom Weschnitzwasser, das heute noch eine Francis-Schachtturbine aus dem Jahr 1937 in Bewegung setzt. Die Turbine ist ebenfalls zu besichtigen wie ein Deutz Dieselmotor aus dem Jahr 1937, der die Wasserkraft mitunter unterstützte. Zum Mühlentag wird er einschließlich der Antriebstechnik nochmal in Betrieb genommen. Die Turbinentechnik dient seit 1950 auch zur internen Stromerzeugung – ist also ein historischer Ort der Innovation. Das pittoreske „Sechs-Mühlen-Tal“ zwischen Weinheim und Birkenau wird längst als eine der bedeutenden geotouristischen Attraktionen der Region geschätzt. Mittlerweile ist das Sechs-Mühlen-Tal vom UNESCO-Geo-Naturpark zum „Geopunkt“ geadelt worden. Sechs historische Mühlen liegen auf einer Länge von eineinhalb Kilometer aufgereiht wie auf einer Perlenschnur. Alle Mühlen haben zumindest eine Gemeinsamkeit, sie sind denkmalgeschützte Prachtbauten einer längst abgeschlossenen Epoche der Industriegeschichte.

Am Pfingstmontag, 24. Mai, werden vormittags von 9 Uhr bis 14 Uhr Führungen durchs Tal und zu ausgesuchten Plätzen angeboten. Stadtführer Franz Piva (9 Uhr und 13 Uhr) verbindet die Mühlengeschichte mit der Stadtgeschichte Weinheims, Marlies Drösel, geb. Fuchs, plaudert um 9.10 Uhr und um 13.10 Uhr aus der Geschichte der Weinheimer Müllerfamilien, andere Fachleute haben ihre Führungen nach Schwerpunkten zusammengestellt: Kunstgeschichte, Mühlentechnik und Wasserkraft beispielsweise. Claus Hördt berichtet um 9.20 Uhr und um 13.20 Uhr von der Baugeschichte des Tales. Walter Fuchs, Motor des Sechs-Mühlen-Tals, erklärt um 9.30 Uhr und um 13.30 Uhr den Zusammenhang zwischen Technik und Wasserkraft. Die Untere Fuchs’sche Mühle, die frühere Ölmühle der Familie Krichbaum, bietet ebenfalls Besichtigungen an. Und zwar vormittags von 10 Uhr bis 13 Uhr und nachmittags von 14 Uhr bis 17 Uhr. Die Führungen dauern etwa eine Stunde.

Wegen des großen Andrangs in den letzten Jahren, wird diesmal um eine telefonische Anmeldung für die Führungen gebeten, unter 06201-100291 (Walter Fuchs). Der Kostenbeitrag liegt bei 3 Euro pro Teilnehmer. Für die Untere Fuchs’sche Mühle bitte anmelden unter 06201-13622 (Unkostenbeitrag 2 Euro, Kinder frei).

Einen Spaziergang zu den Mühlen und durch das Mühlental kann jeder Besucher natürlich kostenlos unternehmen. Für Bewirtung im Waldbiergarten der Fuchsschen Mühle ist gesorgt. Im Innenhof der Unteren Fuchs’schen Mühle bewirtet die Weinheimer Hausbrauerei und Hobby-Angler Uwe Krammer aus Weinheim serviert frisch geräucherte Odenwälder Forellen.

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