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Einmal jährlich brennen die Feuersignale

Lärmfeuer Bergstrasse-Odenwald

Die Zeiten, in denen wir uns mit Hilfe von Feuersignalen verständigten und vor Feinden warnen mussten, sind gottlob vorbei. Einmal im Jahr organisieren aber dennoch in weiten Teilen der Region Odenwald - Bergstrasse Gemeinde, Vereine und Gruppen eine Lärmfeuer-Veranstaltung. Mit zahlreichen Veranstaltungen findet in der Region ein Open Air Fest der besonderen Art statt. Bis hin zum Neckartal werden an jedem Veranstaltungsort Feuerstellen entflammt und mit einem eigenen Rahmenprogramm begleitet. 

Lärmfeuer 24. März 2018

Wenn in der Region Odenwald-Bergstrasse Lärmfeuer stattfinden, sorgen an vielen Orten Veranstalter dafür, daß es auf den Hügeln lodert. Hier einige Higlights:

Lautertal: Felsenmeer, Ohlyturm und Raidelbacher Höhe 

Lärmfeuertour im Felsenmeer mit Fackeln
mit  Kobold Kieselbart  Voranmeldung erforderlich bis zum 17.03.2018 Uhrzeit: 18:00 – 19:30 Uhr Infos: Marieta Hiller, 06254-9403010, kieselbart@dblt.de

Ohlyturm und Raidelbacher Höhe 
Beleuchtung aus dem Ohlyturm auf dem Gipfel des Felsbergs. 

Großes Lärmfeuer auf der Raidelbacher Höhe 

Lärmfeuer gibt es außerdem in: Auerbacher Schloss, Bad König - Gasthof Berghof, Balkhausen, Fürth i.Odenwald, Gernsheim, Greiner Eck, Groß-Biberau, Lindenfels, Michesltadt, Modautal, Mörlenbach, Mossautal,Ober-Ramstadt,  Reichelsheim, Rimbach, Rothenberg, Überwald - Wald-Michelbach Gadern, 

Historie

Daß wir heute überhaupt noch etwas über die Lärmfeuer wissen, ist dem Odenwälder Heimatforscher Friedrich Höreth, zu verdanken, der alte Urkunden im Grafenhaus zu Erbach (er war dort zeitweise Archivar) in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts abgeschrieben hat - Urkunden, die in der Bombennacht vom 11. auf den 12. September 1944 im Staatsarchiv in Darmstadt restlos vernichtet worden sind.

Der Odenwald. Unendliche Wälder. Wir schreiben das Jahr 0. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt und auch in Germa-nien versuchen sie Fuß zu fassen. Doch die Germanen zeigen den Eindringlingen die Zähne und zwingen die Römer zu etwas für die damalige Zeit Unerhörtem, zum Bau eines Grenzwalls - „Limes“ genannt. So oder so ähnlich könnte es wohl einem in unserer Zeit populären Comicstrip entnommen worden sein. Doch nicht nur in Gallien, sondern auch in Germanien gab es unbesiegbare Krieger, denen nur ab und zu mal das Schlimmste drohte, was man (frau) sich in dieser Zeit vorstellen konnte, nämlich daß ihnen der Himmel auf den Kopf fallen wollte.

Auf lateinisch wird dieses Limes-Bauwerk ursprünglich als Grenzweg oder Grenzschneise bezeichnet. Zuerst wohl wirk-lich nur als Weg oder Schneise angelegt, wurde es zunehmend zu dem, was wir heute kennen: „ Die römische Mauer“. Vermut-lich im Jahre 98 n. Chr. ließ Kaiser Trajan unmittelbar nach seinem Regierungsantritt das römische Einflußgebiet rechts des Rheins zwischen Mainz und Straßburg durch den Neckar-Odenwald-Limes markieren und sichern. Diese Grenze bestand etwa 60 Jahre lang. Die Odenwaldlinie des Neckar-Odenwald-Limes begann südlich des Kastells Obernburg am Main und endete nahe der Kochermündung gegenüber von Bad Wimpfen am Neckar. Dieser Streckenabschnitt von rund 70 km Länge wurde mit etwa 80 Wachtürmen gesichert.
 
Um sich untereinander zu verständigen und zu warnen, benutzten die Besatzungen der Türme und Kastelle Feuer-zeichen. Diese Art der Verständigung durch Feuersignale war im ganzen Römischen Reich bekannt. Experimentelle Archäologie in unserer heutigen Zeit hat schon längst den Beweis erbracht, daß es den Römern auf diese Art möglich war, Nachrichten aus der germanischen Provinz binnen 12 Stunden nach Rom zu übermitteln. Welche Zeichen dabei benutzt wurden, oder ob es einen bestimmten Feuerzeichencode gab, kann heute nicht mehr beantwortet werden.
 
Es könnte aber schon in der Zeit der Kelten, welche zumindest das Umland des Odenwaldes besiedelten, ein Kette von Signalstationen quer durch das Gebirge gegeben haben. Erhalten gebliebene keltische Namen deuten auf eine Präsenz dieses Volkes im Innern des Odenwaldes hin. So z. B. die Bergnamen Tromm (keltisch Druim = Rücken)  stammt, oder Berge in welchen das Wort Ross vorkommt, vermutliche Bedeutung: Vorgebirge. Auch die Gewässernamen wie etwa Rhein, Main und Neckar, die rund um den Odenwald fließen, sind keltischen Ursprungs.
Am Ende der römischen Herrschaftszeit in Germanien, die durch die Völkerwanderung gekennzeichnet war, gab der germanische Volksstamm der Burgunder ein kurzes Gastspiel am Rhein. Als Föderaten       der Römer durften sie sich im Gebiet zwischen Worms, Alzey  und Mainz niederlassen. Es kann angenommen werden, dass auch die Burgunder das vorhandene römische Nachrichtennetz nutzten und in seinem Gebrauch unterwiesen wurden.
 
Nun ja, nach dem Ende des Burgunderreiches begann jedenfalls eine Zeit, welche schließlich im  Finsteren Mittelalter enden sollte.
Fast 300 lange Jahre sollte es dauern bis mit dem Kloster Lorsch wieder so etwas wie ein Kulturträger in den Randgebieten des Odenwaldes Einzug hielt. Und diese Kulturträgerfunktion lockte immer mehr spendenwillige Adelige an, welche für ein „Vergelts Gott“ dem Kloster Ländereien und Geld vermachten. Schon sehr früh verfügten die Mönche über einen Kernbesitz der ungefähr dem Gebiet des heutigen Südhessen entsprach. Mehrere Burgen an der Bergstraße sind Gründungen des Klosters. Es kann daher schon mit einiger Wahrscheinlichkeit angenommen werden, daß die Mönche zur Verständigung zwischen dem Kloster und den Burgen Feuer und Lichtzeichen benutzten. Doch die Klosterzeit verging und machte dem Ende des Mittelalters Platz.
 
Obwohl in diese Zeit die Erfindung des Schießpulvers fällt, haben wir keine Nachrichten über Signalfeuer. (Über die Eroberung der Burg Tannenberg oberhalb der Gemeinden Seeheim-Jugendheim im heutigen Landkreis Darmstadt-Dieburg liegen wesentlich mehr Urkunden vor, so daß diese Burg getrost als erste Burg in Deutschland gezählt werden darf, welche durch Schußwaffen in Form von Pulvergeschützen zerstört wurde).
 
Urkundlich erstmals erwähnt werden Signal- oder Lärmfeuer, wie man sie später nannte, in der Zeit des dreißigjährigen Krieges und den Zeiten danach. Der Begriff „Lärmfeuer“ kommt vom französischen „A l’ arme“ oder dem italienischen All’arme - „Zu den Waffen”. (Thomas Maul)
 

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